Nach dem leicht exzessiven Samstag nach dem Kickers-Sieg gegen Dresden hatte ich es doch leicht schwer, mich dazu aufzuraffen, nach Liechtenstein zu fahren. Da der FC Vaduz aber nicht unbedingt lange in der ersten Schweizer Liga, der Axpo Super League, spielen wird und außerdem der für seine Stimmung bekannte FC Basel zu Gast war, entschied ich mich dann doch für die Fahrt – ich lasse mir von einem Kater ja auch immer nur sehr ungern meine Pläne verderben.
Anfahrt
Gegen 11:00 ging’s dann los, wobei ich erstmal ins Büro fahren wollte, um einen Routenplan auszudrucken. In Vaihingen merkte ich allerdings , dass ich keinen Büro-Schlüssel einstecken hatte – gute Leistung Herr Schlau! Also kurz überlegt, die Generalkarte Deutschland gewälzt und gedacht “so schwer kann das alles nicht sein” und los gefahren. Die Grobroute war auch relativ klar: A8, A7, A96, dann von Lindau nach Bregenz um in die Schweiz zu kommen, um meine Vignette nutzen zu können. Ging auch soweit ganz gut, mit kleinen Hängern kurz vor Bregenz und beim Finden des richtigen Grenzübergangs in die Schweiz. Als ich dann auf die Schweizer Autobahn fuhr, fuhr gerade ein Auto mit Vater und Sohn und einem FC Basel-Wimepl vorbei – wo sollten die schon sonst hin wollen außer nach Vaduz? Gedacht, getan, also dran gehängt und siehe da, die guten Leute sind direkt zum Stadion gefahren, wo wir auch direkt auf einen nur einige Minuten Laufdistanz entfernten Parkplatz eingewiesen wurden – da war’s auch noch circa anderthalb Stunden vor Anpfiff.
Nach Österreich war ich zwar eigentlich nur nicht gefahren, weil ich da keine und in der Schweiz eine Vignette hatte, die Anfahrt nach Vaduz ist aber von der Schweiz aus auch wesentlich besser – Autobahnabfahrt, links abbiegen und die Brücke über den Rhein ist auch schon die Grenze.
Stadion
Ich hatte zwar mehr als genug Zeit, ein bisschen rumzuschauen, kaufte mir aber sicherheitshalber erstmal eine Eintrittskarte. Das Rheinparkstadion fasst nicht mal 8.000 Zuschauer, ist aber das größte Stadion in Liechtenstein und das einzige, das für internationale Spiele zugelassen ist. Es hat vier überdachte Tribünen, wovon die Haupt- und Gegentribüne Sitzplatztribünen sind, die (Hintertor-)Nord- und Südtribüne eigentlich Stehplatztribünen – im Norden, wo ich saß, stand allerdings quasi niemand, wohl aber im Süden, wo die Basler Fans die Tribüne für sich hatten. Die brachten auch einiges mit, so dass 4.700 Zuschauer wohl einen Zuschauerrekord darstellen.
Sehr witzig ist, dass das Stadion mehr oder weniger direkt am Rhein liegt, an dem ich nach Kartenkauf ein bisschen rumspazierte – schwupps wieder in die Schweiz, über die nächste Brücke wieder nach Liechtenstein, schon irgendwie witzig. Und “oben am deutschen jungen Rhein” ist selbiger gar nicht so groß wie man das vom Niederrhein gewohnt ist. Nach einigem rumtapern begab ich mich dann ins Stadion, da ich mittlerweile doch leicht hungrig und durstig war. Sehr geil: Rivella im Stadion.
Die Wurst allerdings gab’s in einer Papiertüte, dazu eine Scheibe Brot und eine Plastikdose Senf – seltsame Darreichungsform, aber immer noch besser als beim FV Dresden Nord.
Ansonsten schon sehr cool, mit Fürstenschloss und schneebedeckten Gipfeln hat man schon ein nettes Panorama.
Spiel
Beim FC Vaduz ist ja mittlerweile Pierre Littbarski Trainer, das war’s aber auch mit bekannten Gesichtern. Bei den Baslern kennt man wohl zumindest Benjamin Huggel, Marco Streller und, seit der EM, auch Eren Derdiyok. Die Basler gaben sich zu Beginn aber ganz anders als erwartet, ich hatte da eine sichere Sache erwartet. Stattdessen gab es wenig Offensivszenen, Vaduz ließ nicht viel zu und versuchte schnell nach vorne zu spielen. Die dickste Chance im ersten Durchgang hatte der Ex-VfB-Spieler Streller, der einen Ball an die Latte setzte.
Im zweiten Durchgang nahm dann Vaduz mehr und mehr das Heft in die Hand und spielte sich gute Chancen heraus, ohne allerdings ein Tor zu machen. Das sollte sich rächen, denn der zur Halbzeit gekommene Derdiyok sorgte in der 75. Minute für das 0:1 der Basler, was mich insofern erfreute, da ich eine kleine Pyro-Show erwartete die die Basler auch abzogen, inklusive Bengalos und Knalleffekt – leider ging da meine Digicam gerade nicht, aber zum Glück konnte ich mit dem Handy ein Foto machen. Quasi mit dem Schlusspfiff besorgte Derdiyok dann höchstselbst auch den Endstand von 0:2 – nicht unbedingt verdient, aber wer seine Chancen nicht macht, ist selbst schuld. War jedenfalls ein kurzweiliges Spiel, nur die erste Halbzeit hatte einige unschöne Längen.

Oh, was feine Pyro!
Ab nach Norden
Nach dem Spiel machte ich mich relativ zügig auf den Weg zum Parkplatz, weil ich nicht besonders trödeln wollte – bei Abpfiff um kurz vor sechs war schon klar, dass ich sowieso erst gegen halb zehn daheim eintreffen würde. In Österreich noch schnell für günstiges Geld getankt, der guten Tradition nach Souvenirbier gekauft und dann über Lindau und Ulm zurück gezuckelt. Gut, gezuckelt bin ich ausnahmsweise mal nicht, aber besonders eilig hatte ich es auch nicht. Zeitig zu “Bundesliga – Der Sonntag” war ich dann auch daheim und konnte mir noch die Zusammenfassung der drei Sonntagsspiele anschauen, nachdem ich mit der lieblichen Nina telefoniert hatte. Alles in allem ein durchaus netter Ausflug, im Nachhinein zahlt sich mein aufraffen doch meistens auf – bleiben nur noch 6 Vereine in Liechtenstein, dann habe ich alle (!) besucht.
Links:
Bilder vom Ausflug
Spielbericht beim FC Basel (witzig: “dessen Direktschuss von Yann Sommer mirakulös abgelenkt wurde”, “die budgetierten drei Punkte”).
Spielbericht beim FC Vaduz (absolut lesenswert – “Handsvergehen”, “sich oft weiträumiger Zuspiele behalf”, “köpfelte”, “Aus einem Konter fixierten die Basler den 0:2-Endstand”, “Barrageplatz”, etc.
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