Projekt 52.2011.32: Manfred Kluge – Das große Heyne Jubiläums- Lesebuch. Die prominentesten Autoren aus “40 Jahre Heyne-Taschenbücher”

Dezember 21st, 2011

Das große Heyne Jubiläums- Lesebuch enthält Geschichten von 48 verschiedenen Autoren, darunter unter anderem Mario Puzo, Stephen King, Dean Koontz, Clive Barker, Thomas Harris, John Le Carré, John Grisham, Tom Clancy, Anthony Burgess, Douglas Adams und Stephen Fry. An sich eine gute Sammlung, weniger gelungen finde ich es immer, wenn keine Kurzgeschichte des Autors vorliegt sondern einfach ein Buchkapitel, wie zum Beispiel bei John Grisham (aus Die Kammer), Tom Clancy (aus Befehl von oben) oder Robert Harris (aus Vaterland). Alles in allem trotzdem gut und rechte abwechslungsreich, da kann ich wieder ein paar Autoren auf die Leseliste setzen. ;)

Projekt 52.2011.31: Christian Mähr – Von Alkohol bis Zucker: 12 Substanzen, die die Welt veränderten

Dezember 9th, 2011

Mal wieder ein Buch, über das ich zufällig gestoßen bin. Bei Von Alkohol bis Zucker: 12 Substanzen, die die Welt veränderten ist der Name Programm. Außer Alkohol und Zucker geht es dabei noch um Ammoniak, Anilin, die Anti-Baby-Pille, Benzin, Chinin, Coffein, DDT, Gummi, Penicillin, Soda und Zucker. Der chemische Teil ist auch für Laien verständlich, ich als Chemie-Interessierter (Chemie-LK verpflichtet!) hätte mir ein bisschen mehr Details gewünscht, aber die kann man natürlich auch woanders nachschauen.

Gerade der geschichtliche Aspekte der Stoffe ist sehr interessant, vor allem die Entstehung der Anti-Baby-Pille war mir so nicht bekannt. Eine der schwärzesten Geschichten dreht sich um den Gummi und den Kongo, der Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II. wurde; Resultat der Kongogräuel war der Übergang des Kongo in belgischen Staatsbesitz.

Chemisch nett gemacht, historisch interessant und mit einer netten Prise Humor gewürzt, ein durchaus lesenswertes Buch.

Projekt 52.2011.30: John Updike – Forty Stories

Dezember 2nd, 2011

Marriages, like chemical unions, release upon dissolution packets of the energy locked up in their bonding

Es sind diese Sätze, die die literarische Fähigkeit von John Updike am Besten beschreiben. Forty Stories ist, wie der Name schon sagt, eine Sammlung von vierzig Kurzgeschichten von John Updike. Nicht alle Geschichten sind gleich gut, allen gemein ist aber, dass Updike das Leben sehr detailliert beschreibt – teilweise schon beängstigend, wie real Updike seine Charaktere beziehungsweise den Erzähler beobachten lässt.

We spoke, as people do whose fields of knowledge are miles apart, of matters where all men are ignorant – of politics, children, and, perhaps, religion.

Projekt 52.2011.29: Jorge Semprún – Der zweite Tod des Ramón Mercader

November 24th, 2011

Die Handlung von Der zweite Tod des Ramón Mercader, Semprúns drittem Romand, der 1974 als zweiter seiner Romane auf Deutsch erschien, ist Semprún-typisch sehr komplex und verwoben, deshalb bemühe ich den Klappentext zur Inhaltsangabe, wobei ich gestehen, muss dass ich mir nach zweimaligem Durchlesen desselben dachte: “hmm, hab ich immer noch nicht verstanden, fange ich einfach mal an zu lesen”. ;)

Ramón Mercader, dessen geheimnisvoller zweiter Tod hier erzählt wird, steht zu Beginn der Handlung vor dem Gemäde »Ansicht von Delft« von Jan Vermeer, in dessen Idyllik er fliehen möchte, um den tödlichen Gefahren der realen Welt zu entkommen.
Als Ramón Mercader auf dem Flughafen von Amsterdam landet, ist er bereits in ein Netz geraten, aus dem er lebend nicht mehr herauskommen wird, so geschickt er auch versucht, seine Verfolger abzuschütteln. Warum wird er verfolgt?
Ramón Mercader hieß der von Stalin gedungene Trotzki-Mörder. Aber er ist nicht der Titelheld. Auch der Ramón Mercader, um den es hier geht, hat diesen Namen nur angenommen. So hieß ein spanisches Waisenkind, das im Spanischen Bürgerkrieg alle Verwandten verloren hatte. Es wurde in die Sowejetunion evakuiert, wo es bei einem Bombenangriff umkam.
Als es 1956 zu Repatriierungsverhandlungen zwischen Franco-Spanien und der Sowjetunion kommt, schleusen die Russen mit den heimkehrenden Spaniern einen Geheimagenten ein. Unter dem Namen des toten Kindes Ramón Mercader schicken sie den russischen Juden Jewgenij Ginsburg nach Spanien. Da außer einer alten Tante alle Verwandten gestorben sind, wird niemand an seiner Identität zweifeln. Er heiratet eine Spanierin und wird stellvertretender Direktor einer spanischen Import-Export-Firma, die Handel mit dem Ostblock treibt. Unter diesem Deckmantel baut er ein sowjetisches Geheimdienstnetz auf. Eines Tages wird er entlarvt, weil ein Agent aus der Führungsspitze des sowjetischen Geheimdienstes zur Gegenseite übergeht. Mercader merkt jedoch, daß er vom CIA überwacht wird, und versucht unauffällig mit der Zentrale Verbindung aufzunehmen. Das kann er nur in Zürich oder in Amsterdam, und diese einzigartige Stadt mit ihren Grachten und Kanälen, ihren indonesischen und spanischen Lokalen, ihren Prostituierten, die in Häusern aus dem 17. Jahrhundert hinter Schaufenstern sitzen, diese Stadt also wird zum Schauplatz eines atemberaubenden Wettlaufs mit der Zeit, bei dem am Schluß weder der KGB noch der CIA irgendeinen Vorsprung gewonnen haben: Ramón Mercader wird im vornehmen Hotel Amstel ermordet (der CIA täuscht einen Selbstmord vor), ein CIA-Agent wird mit seinem Auto tot aus einem Kanal gefischt. Mercaders Frau in Spanien ,die nichts von der Tätigkeit ihres Mannes ahnt, wird unschuldig in die Affäre verwickelt und stirbt auf der Flucht vor zwei CIA-Beamten.

So viel zur Rahmenhanldung. Als ob das nicht genug wäre, geht es im Kern, wie oft bei Semprún, um das Wesen des Kommunismus und was es heißt Kommunist zu sein. Wie man bereits an der Namenswahl sieht, wird auch die Ermordung Trotzkis und der Stalinismus thematisiert, wobei Semprún Teile der Handlung aus der Sicht des Trotzki-Mörder erzählt. Auch der Kampf gegen den Faschismus in Spanien, die Haft in Konzentrationslagern und die nachmalige Internierung der KZ-Häftlinge in sowjetischen Lagern wird thematisiert, natürlich nicht ohne Abweichunge zu Kunst und Literatur. Aus der Kunst stehen die “Ansicht von Delft” von Jan Vermeer und “Der Distelfink” von Carel Fabritius im Mittelpunkt, aus der Literatur Marcel Prousts À la recherche du temps perdu, denn Proust verwies dort auf die “Ansicht von Delft”, speziell auf “un petit pan de mur jaune”, “ein kleines Stück gelber Mauer”.

Der Kampf der Bolschewiken gegen Franco und gegen den Stalinismus wird am Beispiel des echten Ramón Mercaders, dessen Vater nach dem Fall der Republik erschossen wurde, und an Ginsburgs Vorgesetzten im Geheimdienst sowie einem Stasi-Mitarbeiter erzählt. Ushakow, Ginsburgs väterlicher Vorgesetzter, erzählt zum Beispiel die folgende Geschichte:

»Wir waren in der gleichen Zelle, der Vater Ginsburg und ich, mit einem Oberst der Roten Armee. Dieser Offizier war noch im Untersuchungsstadium, und er kam von den Verhören immer schwächer zurück, sein Körper nach Schlägen gebrochen, Hände und Gesicht von Folterungen gezeichnet. Eines Abends, als der Offizier von einem Verhör zurückkam, ist er in der Zelle zusammengebrochen. Er konnte sich nicht mehr rühren, und wir glaubten, daß er sterben würde. Da hat sich David Semjonowitsch Ginsburg die Pulsader aufgeschnitten, mit einem vom Bett abgeschlagenen Eisenstück; und er hat sein Blut in den Kübel fließen lassen. Später, als die Wache zur Abendinspektion die Tür geöffnet hat, hat er ihnen den Inhalt des Kübels ins Gesicht geschüttet und geschrien: Ihr wollt das Blut der Bolschewiki? Da habt ihr es! 24 Stunden später ist er deshalb erschossen worden. Er war so geschwächt, daß man ihn zur Erschießungsmauer tragen mußte.«
Georgi Nikolajewitsch schwieg. In diesem Augenblick hätte man den unhörbaren Atem von Millionen Toten hören können.

Semprún schreibt beeindruckend wie immer, die Verknüpfung der Rahmenhandlung mit den Figuren und deren Gedanken ist perfekt und die Referenzen und Anspielungen, die Semprún gibt, fast schon beängstigend. Auch die Behandlung des Trotzki-Mordes und der Entwicklung des Kommunismus im Allgemeinen ist äußerst interessant.

Projekt 52.2011.28: Cormac McCarthy – Blood Meridian or the Evening Redness in the West

November 15th, 2011

Auf Blood Meridian kam ich irgendwie über Thomas Pynchons Against the Day, wobei Cormac McCarthy vor allem für das Buch No Country for Old Men bekannt sein dürfte, dass von den Coen-Brüdern 2007 verfilmt wurde. Blood Meridian ist eines größten englischen Bücher und ist auch auf der Liste der besten englischen Bücher zwischen 1923 und 2005 des Time magazines enthalten.Platz

Blood Meridian erzielt die Geschichte von “the kid”, einem ansonten namenlosen Jungen. The kid wird während der Leoniden 1833 geboren, wobei seine Mutter stirbt. Mit vierzehn flieht er von zu Hause. In Nacogdoches trifft er das erte Mal Judge Holden, einen riesigen, haarlosen Menschen; Holden beschuldigt einen Prediger des Sexes mit einer 11-jährigen und einer Ziege, woraufhin dieser gelyncht wird – es stellt sich allerdings heraus, dass Holden die Anschuldigungen nur fabriziert hat. The kid schließt sich schließlich einer Bande von ehemaligen Soldaten an und von nun an beginnt eine Spirale aus Gewalt, Mord und Verrat; the kid wird nach einem Comanchen-Überfall gefangen genommen und verdingt sich später als Skalpjäger mit der Glanton-Gang, allerdings ist die Gruppe, der er angehört, unmoralisch und ermordet im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet nicht nur Indianer sondern auch Schutzbefohlene und Unschuldige, so wird zum Beispiel eine Gruppe ermordet, die mit Packeseln einen Gebirgspfad begeht und die Esel werden allesamt in den Abgrund getrieben.

Am Ende des Buches trifft the kid, mittlerweile “the man”, nachdem die Jahrzehnte nach dem Gang-Leben auf einigen Seiten abgehandelt wurden, Judge Holden erneut. Einer Unterhaltung schließt sich ein offenes Ende an, bei dem nicht klar ist, ob Judge Holden ihn ermordet hat.

Blood Meridian ist ein schonungsloses Buch, dass keinerlei Cowboy-Romantik aufkommen lässt. Der “Wilde Westen” ist genau das, wild, und zwar so dass es keine Gesetze und keine Moral gibt, der stärkere macht, was er will, Mord ist dabei keine Ausnahme; die Handlung basiert zum Teil auf der historischen Glanton-Gang.