Nach sechseinhalb Jahren ging’s am Freitag zum zweiten Mal auf den Betzenberg – diesmal ohne Besuch bei Betzerich, ergo gab’s auch keinen kalten Kaffee vor Ort. Stattdessen ging’s zum Brauhaus am Markt, wo ich mir erstmal den Pfälzer Brauerteller schmecken ließ – endlich mal Saumagen, das wollte ich schon ewig probieren. War aber reichlich unspektakulär, wobei das Essen lecker und das Bier gut war – scheint aber ein schlechtes Omen zu sein, in Wolfsburg war’s nämlich genauso. Wie auch immer, nach dem Essen noch kurz “Sightseeing” gemacht, wenn man das in Lautern so nennen darf; immerhin auf’s Rathaus hoch, wo man vom 21. Stock eine ganz passable Aussicht auf die Stadt, das Stadion und den Pfälzer Wald hat. Ganz angenehm ist auch, dass die Stadt halt recht klein ist und man dann bequem zum Stadion wackeln kann. Gesagt, getan und wir waren zeitig am Stadion und im Stehplatzblock – sehr klein und durchaus kuschelig, als es voll war. Stimmungsvoll war’s auf jeden Fall, ist auch ein nettes Stadion, kann man nix sagen, nicht so ein steriler Neubau auf der grünen Wiese. Die Lautern-Fans waren guter Dinge und zeigten eine mehr oder weniger ansprechende Choreo, bevor’s dann endlich los ging.
Saumagen!
Das Spiel war an sich okay, obwohl Bayern relativ schwach spielte hatten sie die Lauterer im Griff. Macht Müller das 0:1, sieht das Spiel ganz anders so, aber das war bekanntlich ja nichts und Lautern macht daraufhin aus einer Chance zwei Tore. Bayern sowohl vor als auch nach der Pause noch mit weiteren guten Chancen, auch wenn es spielerisch gegen die jetzt arg tief stehenden Lauterer natürlich sehr schwer war. Am Ende sollte dann trotz guter Chancen kein Tor mehr fallen und für uns ging’s ohne Punkte im Gepäck zurück nach Stuttgart. Eine total unnötige Niederlage, aber es gibt halt so Tage, wo dann auch einfach kein Tor fällt. So einen Schiedsrichter wie Meyer (den der Kicker mit einer 2(!) bewertete) möchte ich in München auf jeden Fall auch mal haben, der hat sowas von Pro-Lautern gepfiffen… aber in München wär’s dann wohl wieder eher für die Gäste.
Nach den einzigen zwei Stunden echtem Urlaub am und im Bodensee – also mit Erholung – ging’s direkt nach München zum Bundesligaauftakt gegen Wolfsburg. Dank zeitiger Anreise reichte es noch zu zwei Weizen im Gasthaus Bock, ehe es mit Claus ins Stadion zum Treffen mit Frank und Martina ging. Dort sahen wir engagierte Bayern, die nach einer Traumkombi durch Müller, schon wieder on fire, in Führung gingen, es aber versäumten, in der ersten Halbzeit schon für klare Verhältnisse zu sorgen.
Das wurde dann in der zweiten Halbzeit bestraft, als Wolfsburg zwei starke Phasen zum Ausgleich genügten. Dank bayerischer Nachlässigkeit wäre sogar mehr drin gewesen, Butt war irgendwie total von der Rolle und das 1:1 hätte schon vor der Ecke fallen können, als Butt einen Ball direkt auf die Wolfsburger spielte. Aus drei Ecken ein Tor, so wird das halt gemacht. Bayern kam nicht zu den 100%igen Chancen, die vielen Ecken blieben auch weitgehend ungefährlich. Quasi mit dem Schlusspfiff dann dankenswerter Weise doch noch das 2:1 durch Schweinsteiger, insgesamt verdient, auch wenn noch Luft nach oben herrscht. Ist aber auch egal, 3 Punkte, mehr interessiert dann eh keinen mehr.
Nach dem anstrengenden Programm seit dem vorherigen Samstag hatte ich auf der Rückfahrt echt mit der Müdigkeit zu kämpfen, es ging dann aber doch noch. Am Freitag geht’s auf dem Betzenberg mit Bayern und Bundesliga weiter, vorher hoppe ich eventuell nochmal in die Oberliga BaWü. Bayern-Wolfsburg war übrigens mein insgesamt 300. Spiel, allen Quatsch mitgerechnet; davon gab’s 136 Heimsiege, 68 Unentschieden und 96 Auswärtssiege bei 485:442 Toren. Häufigstes Ergebnis: 1:0.
P.S.: Grade nochmal in der Zeitlupe gesehen: Müllers Tor war echt schon Hammer:
Gottlob, der erste Titel der Saison ist im Sack. Eigentlich wäre mir der gar nicht so wichtig gewesen, wobei der Supercup an sich schon eine feine Veranstaltung ist und durchaus mehr Wert und Attraktivität besitzt als ein ausgeweiteter Ligapokal oder sonstiger Kram. Wenn aber der Meister und Pokalsieger gegen den Liga-Zweiten antritt ist das auch schon wieder so eine Sache… sei’s drum, mit Claus ging’s also am Samstag nach Augsburg – mal wieder ein Auswärtsspiel dass näher ist als ein Heimspiel, sowieso immer eine feine Sache. Ganz wohl war mir vor dem Spiel nicht, da ich fürchtete Bayern träte nur mir einer B-/C-/D-Elf an und würde den Titel abschenken. Die Sorge war allerdings unbegründet, auch wenn natürlich mangels Robben, Ribéry und Kroos Kreativpotenzial fehlte. Trotz dominierten die Bayern die Schalker deutlich, bei denen mal wieder offensichtlich wurde, dass Kreativität im Spiel nicht so ihre Sache ist.
Blieb die erste Hälfte noch torlos, ging’s in der zweiten dann rund. Kurz nach der Pause hätte es auf beiden Seiten klingeln können, als erst Klose nach einem Schweinsteiger-Pass nur den Pfosten traf und im direkten Gegenzug Kraft stark gegen Raúl parierte. So halb hatte ich mich dann aber trotzdem schon auf’s Elfmeterschießen eingestellt, als natürlich wieder Müller einen Abpraller zum 1:0 abstaubte. Kurz darauf bediente Olic Klose derart, dass er nur noch einschieben musste. Derart den Ball vorgelegt zu bekommen war für Klose wohl auch nicht alltäglich, weshalb er sich dann noch bei Olic revanchieren wollte, was dann allerdings durch zu viel rumgespiele zu einer vergebenen Chance und nicht zum 3:0 führte. Auch egal, Pokal im Sack, das erste Spiel gegen Schalke schon mal gewonnen, das lässt auch ohne die Kreativabteilung erstmal Hoffnung für den Pokalauftritt und den Bundesliga-Auftakt zu. Von den Nicht-Stammspielern hat mir heute vor allem Pranjic gefallen – solide gespielt nach hinten und nach vorne bemüht, das 1:0 durch Müller vobereitet – eine gute Leistung. Ansonsten wird’s in der Offensive zumindest für Gomez erstmal schwer werden, bin auch mal gespannt wo und wie sich Kroos in die Mannschaft spielen kann.
In der Süddeutschen Zeitung gibt es ein auch in Gänze sehr lesenswertes Interview mit Hermann Gerland. Hier nur zwei äußert interessante Auszüge:
SZ: Wovon hat van Gaal Sie überzeugt?
Gerland: Ich denke, ich habe von ihm profitiert. Weil er besessener ist als ich. Ich habe schon geglaubt, ich wäre besessen. Aber er ist noch besessener und noch akribischer.
(…)
SZ: Wie wird Ihr Pensum als Co-Trainer der Profis und Cheftrainer der zweiten Mannschaft sein?
Gerland: Wenn wir zweimal Training haben, trainiere ich mit der zweiten Mannschaft um neun Uhr, um halb zwölf mit der ersten, um halb vier mit der zweiten und um 18 Uhr mit der ersten. Wenn Spiele kollidieren, bin ich bei der zweiten, keine Frage. Mein alter Kopp muss nicht mehr ins Fernsehen. Der Bauch wird dicker und die Haare dünner. Früher, als ich schön war, wollten sie mich ja nicht sehen.
Geiler Spruch auch, aber ein unglaublicher Mann – besessen trifft’s da durchaus gut.
Schon eine Woche vergangen seit dem CL-Finale in Madrid. Wie schon direkt nach dem Abpfiff hält sich aber auch jetzt die Enttäuschung in Grenzen: einerseits war eh klar, dass es gegen Inter schwer wird, andererseits kann in einem Finale ja eh alles passieren. Im Endeffekt war’s nur die schlechte Abwehrleistung, die Milito zwei Mal ausnutzte, ist ja nicht so dass man von Inter vorgeführt wurde. Wenn Müller kurz nach der Pause das 1:1 macht sieht die Sache natürlich auch anders aus. Ribéry war von Altintop dann leider doch nicht zu ersetzen, Robben wurde meistens getripelt und hatte dementsprechend halt wenig Spielraum; Altintop war aber schon bemüht, kann man ihm nicht absprechen. Wenn’s dumm gelaufen wäre, wäre ja eh schon gegen Florenz oder Manchester Schluss gewesen, also was soll’s.
Die Stimmung nach dem Spiel war trotzdem gut, der geilen Saison entsprechend wurde die Mannschaft trotz der Finalniederlage ordentlich gefeiert. Ein Scherz war die Medaillen- und Trophäenverleihung, die über den VIP-Sitzen stattfand und quasi nicht zu sehen war. Gut, war uns ja auch egal, wo die Mailänder sich den Pott abholen und wer das sieht. Nach dem Spiel ging’s noch auf dem umständlichst möglichen Weg in die Stadt, wo wir dann irgendwann um halb zwei oder so auch in der Ecke aufschlugen, die ich mit Flopsi vorher schon unsicher gemacht hatte. Stellte sich heraus, dass die Spanier gar nicht so auf Sangría aus Eimern stehen, seltsame Sache.