Der im Rahmen der Uhrwerk-Orange geäußerte Wunsch, dass ich die SZ-Bibliothek, Teil 2, vielleicht zeitnah beenden könnte, war natürlich völlig utopisch und so habe ich mit Anna Seghers’ Transit das erste Mal nach mehr als 18 Monaten wieder eines der Bücher aus selbiger gelesen. Transit war ein Zweitbuch, da Against the Day schon recht schwere Kost ist und ich das, Taschenbuch das es ist, auch nicht unbedingt mit nach Dublin schleppen wollte.
In Transit beschreibt Anna Seghers die Geschichte eines jungen, namenlosen Deutschen. Der Ich-Erzähler flieht aus einem französischen Arbeitslager, in dem er als Prestataire verdingt war (für Prestataire finde ich nur die Übersetzung “Leistungserbringer”, allerdings ohne Bezug auf Arbeitslager oder ähnliches), als die Nazis in Frankreich einfallen. Er kommt nach Paris, das schon von den Deutschen besetzt ist und kommt bei Freunden unter. Zufällig trifft er einen alten Bekannten, der ihm den Auftrag erteilt, einen Brief abzuliefern. Es stellt sich heraus dass Weidel, der Empfänger, ein Schriftsteller, Selbstmord beging, und so zieht der Erzähler mit dessen letzter Habe, einem kleinen Koffer, ab. In dem befindet sich Korrespondenz mit Weidels Frau und eine Geschichte, die er Erzähler aus “tödlicher Langeweile” verschlingt.
Der Erzähler kommt schließlich selbst nach Marseille, wo er den Koffer der Frau des Toten übergeben will – das war zumindest seine ursächliche Motivation, denn wegen dieser ging er auch eine Woche lang jeden Tag auf das mexikanische Konsulat, denn im Koffer befand sich ein Visum für Mexiko, allerdings lehnte der Konsul es ab, den Koffer nach Marseille zu transportieren. In Marseille ist alles in Aufruhr, denn es geht nur um Visen, Passierscheine, Schiffspassagen und Sauf-Conduits. Der Erzähler macht bei diesem Spiel zwar initial nicht mit, ihm fliegen die passenden Dokumente aber nur so zu. Nachdem er sich in Weidels Frau verliebt hat, beschließt er, doch zu gehen, entscheidet sich aber im letzten Moment dagegen. Auf der Pfirischfarm, auf der er später unterkommt, erfährt er dann, dass das Schiff, auf dem die Frau und ihr Freund abgefahren sind, untergegangen sind.
Transit hat vor allem drei wichtige Punkte, die es auszeichnen (siehe auch das Nachwort): die verkehrte Welt des Erzählers, dem alles zufliegt, was andere erstreben, er aber gar nicht möchte, historisch-mythische Stoffe – oft ist die Rede von der Jahrtausende alten Lage von Marseille am Meer und den vielen Generationen die dort schon abfuhren – und reale Begebenheiten, eben die ganze Absurdität der Situation in Marseille mit allen nötigen Scheinen und Erlaubnissen, bei denen immer das erste abgelaufen war wenn das letzte beschafft war. Transit hat mir besser gefallen als Das siebte Kreuz, vielleicht deshalb weil die Anzahl der handelnden Personen deutlich kleiner ist und diese so besser ausgearbeitet wirken – wobei das eigentlich auch nur auf den Erzähler zutrifft, die restlichen Personen bleiben eher undurchsichtig.