Verbot tut Not

Juli 27th, 2010

Baden-Württemberg mausert sich langsam zum Verbotsmusterland, zumindest wenn es nach den Plänen von Innenminister Rech geht. Dann bleibt es nämlich nicht mehr beim nächtlichen Verkaufsverbot von 22:00 bis 05:00:

Innenminister Heribert Rech (CDU) bereitet eine Änderung des Polizeigesetzes vor, wonach Kommunen in Zukunft den Griff zur Bierflasche an sozialen Brennpunkten verbieten können. Der Entwurf liegt zurzeit zur Abstimmung bei Justizminister Ulrich Goll (FDP). Golls Sprecher wollte sich zu dem Thema nicht äußern, verwies aber darauf, dass man zusätzlichen Verboten skeptisch gegenüber stehe. Die FDP-Fraktion lehnte eine schnelle Gesetzesänderung ab.
(Quelle: Stuttgarter Zeitung)

Die FDP war ja auch schon nicht für das Verkaufsverbot, stimmte dem aber trotzdem zu, insofern mal abwarten wie sich das mit der Skepsis entwickelt. Laut Innenministerium ist ein sozialer Brennpunkt “ein Gebiet, dass sich deutlich von anderen in der Anzahl der alkoholbedingten Ordnungswidrigkeiten und Straftaten abhebt”. Wenn aber erst mal die Möglichkeit besteht, auf öffentlichen Plätzen den Konsum von Alkohol zu verbieten, wird das aber sicherlich auch breit genutzt; dass damit meistens nur der Konsum verlagert wird, ist wohl sowieso klar.

Amüsant ist aber die Reaktion auf die Zierde der FDP:

Der Fraktionschef der CDU, Peter Hauk verlangte von den Liberalen, ihre Bedenken aufzugeben. “Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder wir überzeugen die FDP oder wir machen das mit zum Wahlkampfthema.” Der Städtetag unterstützt den Vorstoß von Rech. “Alkoholgenuss führt oftmals zu Randalen und Schwierigkeiten”, sagte Referentin Iris Bohlen.
(Quelle: Stuttgarter Zeitung)

Ich würde mich ja nicht darauf verlassen, dass die Bevölkerung die CDU wegen so eines Verbotes abwatscht, aber ich wäre mir an deren Stelle auch nicht zu sicher, dass das ein positiv zu besetzendes Wahlkampfthema sein wird. Die Tendenz ist jedenfalls klar, bald wird auch noch Fast Food verboten, demnächst darf man außer Wasser und Kartoffeln wahrscheinlich gar nichts mehr konsumieren – und auch das nur daheim.

16. Panoramalauf Notzingen (10km): 52:23

Juli 26th, 2010

Am Samstag stand er nächste Lauf auf dem Programm und Daniel hatte sich den 16. Panoramalauf in Notzingen ausgesucht. Keine schlechte Wahl, da die Anreise doch relativ kurz ist und die Strecke zumindest größtenteils über Waldwege läuft. Dafür muss man allerdings auch nicht ganz ebenes Höhenprofil in Kauf nehmen:

Dem Namen nach hatte ich irgendeine Aussicht erwartet, gab aber keine. Auch halb so schlimm, so reichte es aus, sich auf’s Laufen zu konzentrieren und das lief eigentlich erstaunlich gut. Alleine wäre ich wohl nicht so schnell gelaufen, aber mit so einer Laufgranate an meiner Seite… ;) war schon lustig als wir in der zweiten Runde am Anstieg Leute überholt haben und wir (vor allem Daniel) noch geplaudert haben während es denen schon nicht mehr so gut ging. In einer durchaus respektablen Zeit von 52:22 (Daniel) beziehungsweise 52:23 (ich) kamen wir mit einer Pace von 5:14 im Schnitt ins Ziel – echt nicht schlecht für die hügelige Strecke. Ich frage mich nur, ob das Auf und Ab einem eher entgegen kommt oder ob eine total ebene Strecke schneller zu laufen wäre. Naja, lässt sich ja rausfinden. So konnten wir uns jedenfalls beide über eine neue – zumindest offizielle – Rekordzeit freuen, bei mir dürfte selbige auch knapp 5 Minuten schneller als meine alte, die von meinem bisher einzigen 10km-Lauf in Würzburg stammt. Nächstes Ziel: unter 50:00.

Nach dem Lauf gab es standesgemäß erstmal ein Bier und eine Rote, bevor es zum Duschen nach Hause ging. Den Abend ließen wir dann mit Philip und Hubert beim Sommerfest der Gartenfreunde ausklingen – hat mich das Bohnenviertelfest nach wie vor nicht zu Gesicht bekommen.

P.S.: 5. respektive 6. von 7 in unserer Altersklasse, insgesamt 71. respektive 72. von 116 Teilnehmern.

Projekt 52.2010.22: Wolf Biermann – Die Drahtharfe. Balladen, Gedichte, Lieder

Juli 24th, 2010

Wolf Biermann war mir zwar ein Begriff, mir aber nicht wirklich präsent. Das änderte sich, als ich Das doppelte Deutschland las, wo die Kulturpolitik speziell im Hinblick auf Biermanns Ausbürgerung beschrieben wird. In der Musikbücherei bekam ich dann gleich zwei CDs, die mir allerdings nicht so zusagen – kann man schon hören, aber auch nichts für regelmäßigen Lauschgenuss. Die Drahtharfe ist einer der ersten Lyrikbände Biermanns. Es sind paar schöne Sachen dabei, die Lyrik sagt mir mehr zu als die beiden (zugegeben sehr neuen) CDs. Trotzdem heute nur schwer vorstellbar, dass wegen Biermanns Werken ein 20-Punkte-Plan zur “Zersetzung” seiner Person ausgearbeitet wurde – aber nee, in der DDR war ja nicht alles schlecht…

Der deutsche Tourist

Juli 20th, 2010

Was macht der deutsche Tourist in Madrid? Ist klar, erstmal in die Cervecería alemana gehen. ;) Davon abgesehen dass es dort Bier in Steinkrügen (barros) gibt es ist aber eher wenig Deutsch und zumindest gestern waren auch wenig Touristen da. Heute Morgen ging’s dann um halb sieben erst mal in den Retiro zum Laufen – wenn man da nicht entlang schlendert wirkt der Park gar nicht so groß, aber eigentlich hat mein keine Probleme halbwegs lang zu laufen und so waren’s am Ende immerhin 11,5km mit 3 Tempoläufen à 1km. Nachher geht’s dann zu den OpenNebula Technology Days, hoffentlich gibt’s was zu Lernen.

Projekt 52.2010.21: Wilhelm Raabe – Die Chronik der Sperlingsgasse

Juli 18th, 2010

Die Wilhelm-Raabe-Straße ist eine Querstraße zur Kelterstraße, auf dem Weg zu den Gartenfreunden beziehungsweise in den Wald Richtung Degerloch. Aus Neugier schlug ich mal nach, wer Wilhelm Raabe eigentlich war und fand heraus, dass er ein Schriftsteller war, der ursprünglich aus dem Norden stammte aber in den Jahren 1862 bis 1870 in Stuttgart wohnte. Raabe lehnte es zwar ab, eine Autobiografie zu schreiben, charakterisierte sich aber selbst wie folgt:

Ich bin am 8. September 1831 zu Eschershausen im Herzogtum Braunschweig geboren worden. Mein Vater war der damalige „Aktuar“ am dortigen Amtsgericht, Gustav Karl Maximilian Raabe, und meine Mutter Auguste Johanne Frederike Jeep, die Tochter des weiland Stadtkämmerers Jeep zu Holzminden. Meine Mutter ist es gewesen, die mir das Lesen aus dem Robinson Crusoe unseres alten Landsmanns aus Deensen, Joachim Heinrich Campe beigebracht hat. Was ich nachher auf Volks- und Bürgerschulen, Gymnasien und auf der Universität an Wissenschafte zu erworben habe, heftet sich alles an den lieben feinen Finger, der mir ums Jahr 1836 herum den Punkt über dem i wies.

Im Jahr 1845 starb mein Vater als Justizamtmann zu Stadtoldendorf und zog seine Witwe mit ihren drei Kindern nach Wolfenbüttel, wo ich das Gymnasium bis 1849 besuchte. Wie mich danach unseres Herrgotts Kanzlei, die brave Stadt Magdeburg, davor bewahrte, ein mittelmäßiger Jurist, Schulmeister, Arzt oder gar Pastor zu werden, halte ich für eine Fügung, für welche ich nicht dankbar genug sein kann.

Ostern 1854 ging ich nach einem Jahr ernstlicher Vorbereitung nach Berlin, um mir auch „auf Universitäten“ noch etwas mehr Ordnung in der Welt Dinge und Angelegenheiten, soweit sie ein so junger Mensch übersehen kann, zu bringen. Im November desselben Jahres begann ich dort in der Spreegasse die „Chronik der Sperlingsgasse“ zu schreiben und vollendete sie im folgenden Frühling. Ende September 1856 erblickte das Buch durch den Druck das Tageslicht und hilft mir heute noch neben dem „Hungerpastor“ im Erdenhaushalt am meisten mit zum Leben. Denn für die Schriften meiner ersten Schaffensperiode, die bis zu letzterwähnten Buche reicht, habe ich „Leser“ gefunden, für den Rest nur „Liebhaber“, aber mit denen, wie ich meine, freilich das allervornehmste Publikum, was das deutsche Volk gegenwärtig aufzuweisen hat.
(Quelle: Wikipedia.de)

Die Chronik der Sperlingsgasse ist Raabes erfolgreichstes Werk. In ihr beschreibt der alte Johannes Wacholder über den Zeitraum von einem Winter bis in den Frühling seine eigene Lebensgeschichte und die Geschichte der Sperlingsgasse. Als dritten Erzählstrang gibt es noch die Einbindung von historisch-politischen Ereignissen, die der Chronist Wacholder als Fremderzählungen einbindet. Raabe hat sehr viele Anspielungen auf historische Begebenheiten in den Text eingebunden, ebenso Verweise auf andere, teilweise auch klassische Literatur. Ohne Anmerkungen, die in meiner Ausgabe zum Glück enthalten sind, hat man da wahrscheinlich schlechte Karten. Ebenso hilfreich ist das Nachwort gewesen, dass das Buch analysiert.