Projekt 52.2010.03: Boris Vian – Die Ameisen
Januar 31st, 2010Die Ameisen habe ich in der mäßig ausgestatten Schiffsbücherei beim Tauchurlaub letztes Jahr im Oktober zufällig entdeckt: am letzten Tag war schon alles gepackt und ich suchte noch ein Buch um kurz rein zu schauen, da fiel mir eben Die Ameisen in die Hände und ich hatte immerhin genug Zeit, die erste Geschichte zu lesen, welche ich äußert humoristisch fand – vom Thema zwar dramatisch (D-Day), aber äußert abgefahren geschrieben:
Heute morgen sind wir angekommen, und man empfing uns nicht gut, denn es war niemand am Strand außer einem Haufen Toter und Stücke von Toten, Tank und demolierten Ameisen. Aus allen Ecken Kugeln, und ich mag das nicht, diese Unordnung zum Spaß. Wir sind ins Wasser gehüpft, aber es war tiefer, als es aussah, und ich bin auf einer Konservenbüchse ausgerutscht. Dem Vogel, der genau hinter mir war, hat eine Kugel dreiviertel seines Gesichts weggerissen, und ich habe die Konservenbüchse zur Erinnerung behalten. Die Stücke von seinem Gesicht habe ich in meinen Helm getan, ihm gegeben, und er ist weggegangen, um sich behandeln zu lassen, aber offenbar den falschen Weg, denn er ist ins Wasser gegangen, bis er nicht mehr stehen konnte, und ich glaube nicht, daß er unter Wasser genug sah, um sich nicht zu verlaufen.
(Boris Vian, Die Ameisen, S. 1)
So abgedreht geht die erste Geschichte weiter und es folgen weitere abstruse Erzählungen über einen Musiker mit seltsamer Krankheit, der seinen Schweiß verkauft, schweigsame Mitreisende im Zug, Klempner, schwarze Katzen und vieles Meer. Amüsante Wortwahl und verrückte Geschichten, Die Ameisen von Multitalent Boris Vian – er war unter anderem Schriftsteller, Jazztrompeter, Chansonnier, Schauspieler und Übersetzer – sind auf jeden Fall lesenswert.






