House of Leaves ist eines der besten Bücher, dass ich in der letzten Zeit gelesen habe. Das erste Mal habe ich es bei Philipp – der mir auch Thomas Pynchon vorstellte – gesehen und mich über die wechselnde Typographie und die Farben im Buch gewundert. Als ich es dann mehr oder weniger zufällig in der Bücherei fand habe ich es mir dann ausgeliehen.
House of Leaves ist das Erstlingswerk von Mark Danielewski und vordergründig ein Horrorroman, in Wirklichkeit aber ein postmoderner Roman – womit wir auch wieder bei Thomas Pynchon wären, der auch zu den Vertretern der literarischen Postmoderne zählt.
House of Leaves besitzt mehrere Erzählebenen, von denen die erste die um die Kernerzählung des Romans, den “Navidson Record” ist. Will Navidson, Fotograf und Pulitzer-Preis-Träger, zieht mit seiner Familie in ein stilles Haus im Grünen. Den Einzug und das Leben dort dokumentiert er mit Kameras. Als die Familie eines Tages nach Hause kommt, findet sie einen Korridor, der vorher nicht da war. Vermessungen ergeben, dass das Haus innen größer ist als außen. Zusätzlich öffnet sich dann eine Tür in einer Außenwand, die aber nicht nach draußen, sondern in ein lichtloses, kaltes Labyrinth führt, dass unermesslich groß ist und sich ständig neu anordnet. Die Erkundung des Labyrinths ist der zentrale Punkt dieser Geschichte, die anhand eines Dokumentarfilms über das Haus, den “Navidson Record”, analysiert wird.
Auf der zweiten Ebene analysiert Zampanò, ein alter, blinder Mann, den “Navidson Record” und schreibt darüber eine Abhandlung. Die Abhandlung ist in fragmentarischer Form in einer Truhe hinterlassen, die in Zampanòs Wohnung gefunden wurde, nachdem dieser auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Zampanòs Abhandlung ist sehr wissenschaftlich abgehalten und behandelt den Gegenstand Labyrinth, Architektur, Geologie, Fotografie und vieles mehr – so gibt es zum Beispiel ein eigenes Kapitel über den Gegenstand des Echos an sich und im Haus.
Die erste Ebene, die Handlung um Navidson, ergibt sich aus dem Text, den Zampanò verfasst hat. Die dritte Ebene, die von Johnny Truant, der die Kiste mit der Hinterlassenschaft von Zampanò untersucht, wird durch Fußnoten an Zampanòs Text dargestellt. Diese sind teilweise mehrere Seiten lang und erzählen Johnnys Geschichte. Johnny arbeitet bei einem Tätowierer und verbringt seine Zeit im wesentlichen mit Sex und Drogen. Er taucht immer tiefer in Zampanòs Welt ein und wird, vermutlich wie Zampanò selbst, zunehmend einsamer, zurückgezogener, aber auch gewalttätiger. Er hat Visionen über seltsame Dinge, Dinge, die vielleicht Zampanò gejagt haben und jetzt auch hinter ihm her sind. Er macht sich auf die Suche nach dem Haus und nach seiner eigenen Vergangenheit.
Zusätzlich zu Johnnys Fußnoten gibt es noch Anmerkungen des Herausgebers, die ebenfalls als Fußnoten auftreten. Weiterhin gibt es mehrere Anhänge mit Fotos, Bildern, Zeichnungen, Texten, den sogenannten Pelikan-Gedichten und vielem mehr. Es gibt einen Nachruf auf Johnny verstorbenen Vater und viele Briefe von Johnnys Mutter Pelafina, die sie ihm aus einem Irrenhaus geschrieben hat. Aus ihnen geht auch hervor, dass sie Johnny als Kind umbringen wollte und von ihrem Mann – Johnnys Vater – kurz davor aufgehalten wurde.
Die verschiedenen Erzähler sind durch verschiedene Typographien dargestellt, das Wort “Haus” taucht immer in blau auf. Weiterhin ist der Text teilweise spielerisch auf der Seite angeordnet, so gibt es zum Beispiel eine Passage, in der Navidson das Haus erkundet und der Text die Form der Räume, die Navidson untersucht, darstellt.
House of Leaves ist sicherlich nicht einfach zu lesen sondern gehört offensichtlich zur ergodischen Literatur. Aber allein die Kerngeschichte ohne die Fußnoten ist so gut erzählt, dass ich das Buch am liebstem am Stück durchgelesen hätte. Nach der kompletten Lektüre bleiben natürlich viele Fragen offen und ich frage mich, was ich alles überlesen und nicht verstanden habe. Unbedingt lesenswert!