Projekt 52.2009.25: Bernhard Schlink – Das Wochenende

Das Wochenende ist Bernhard Schlinks neuester Roman und im Jahr 2008 erschienen. Schlink ist nicht nur Rechtswissenschaftler, er vertrat zum Beispiel auch die Bundesregierung in einer Klage zweier Abgeordneter gegen die Entscheidung von Horst Köhler, den Bundestag aufzulösen. Literarisch lernte ich Walter Schlink dank Annika und Selbs Mord kennen, wonach ich die weiteren Selb-Romane und auch Der Vorleser gelesen habe, das wohl bekannteste Buch von Schlink.

Das Wochenende erzählt die Geschichte von Jörgs ersten Wochenende in Freiheit nach zwanzig Jahren Zuchthaus. Jörg, ein ehemaliger Terrorist der RAF, wurde nach zwanzig Jahren Haft überraschend begnadigt und seine Schwester hat ein Wochenende in einem einsamen Haus auf dem Land arrangiert, zu dem auch Jörgs frühere Freunde und Gefährten eingeladen sind. Mittlerweile fünfzigjährig zeigt sich, was bei den einzelnen von den früheren Vorstellungen und Träumen noch geblieben ist und was man jetzt von der damaligen Zeit hält. Da ist Henner, der ein Verhältnis mit Christine, Jörgs Schwester hatte, das aber von ihr beendet wurde, Ulrich, der ganz bürgerlich geworden ist und mehrere Dentallabors betreibt oder Ilse, die einen Roman im Roman schreibt, über eine Verschwörungstheorie über einen früh in den Selbstmord getriebenen Freund, der vielleicht doch nur seinen Selbstmord inszeniert hat und in den Untergrund geflohen ist.

In den drei Tagen des Wochenendes entwickeln sich größere und kleinere Dramen: so will zum Beispiel Ulrichs Tochter Dorle mit Jörg schlafen, der allerdings nicht kann – Grund ist sein Krebsleiden, wie sich am Sonntag herausstellt, wegen dessen er auch begnadigt wurde. Auch kommt ans Licht, dass Christine, Jörgs Schwester, ihn damals an die Polizei verriet, aus Angst, ihm könnte noch etwas geschehen, wenn er in Freiheit bliebe und weiter kämpfte. Zusätzlich erscheint noch Jörgs Sohn, zuerst unter falschem Namen, der an seinem Vater kein gutes Haar lassen kann und Marco, ein politischer Aktivist, der Jörg ungebrochene Popularität für sich und den weiteren Kampf nutzen will.

Die Geschichte um Jörg hat offensichtliche Parallelen zu Christian Klar, zumindest wenn man Jörgs Person selbst betrachtet. Die Charaktere um ihn herum und ihre früheren, jetzt gewandelten Einstellungen oder ihre Geheimnisse – siehe Jörgs Schwester – sind durchaus interessant, irgendwie verläuft aber am Ende alles im nichts. Man hat sich getroffen, sich gestritten und am Ende fahren alle wieder nach Hause. Die Geschichte vom “Roman im Roman” fand ich ganz nett, auch hat sie ein recht interessantes Ende. Alles in allem nicht schlecht, aber ich habe von Schlink schon besseres gelesen.

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4 Antworten zu “Projekt 52.2009.25: Bernhard Schlink – Das Wochenende”

  1. bine sagt:

    Bitte nicht empören – ist mir im Eifer des Gefechts so rausgerutscht :-) Ist natürlich sehr schön hier – meistens zumindest.

  2. Case sagt:

    Halb so wild. Ich kann deine Stimmung verstehen, aber selbst wenn nicht… ist halt doch ein kleines Städtchen. ;)

  3. Projekt 52.2009.31: Rolf Dobelli – Und was machen Sie beruflich? @ ?- bimberstube(rocks). sagt:

    [...] zufällig: seine Bücher wurden in einem anderen Diogenes-Buch – Bernhard Schlinks Das Wochenende angepriesen und hörten sich interessant an, so dass ich mir mal zwei von Dobellis Büchern [...]

  4. Projekt 52.2009.32: Ernst Hackl – Die Hochzeit von Auschwitz. Eine Begebenheit @ ?- bimberstube(rocks). sagt:

    [...] wie Rolf Dobelli habe ich auch Ernst Hackl durch seine Anpreisung in Bernhard Schlinks Das Wochenende gefunden. Hackl, 1954 in Steyr geboren, ist studierter Germanist und Hispanist und seit 1983 freier [...]

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