Projekt 52.2008.34: Bruce Sterling – Der Staubozean

Der Staubozean (engl. Involution Ocean) ist der erste Roman von Science-Fiction-Schriftsteller. Das erste Mal kam ich mit Bruce Sterling über einen Roman, den er mit William Gibson zusammen geschrieben hat – The Difference Engine – in Berührung, woraufhin ich dann noch Schismatrix las. Über den Staubozean bin ich mehr oder weniger zufällig in der Bücherei gestolpert.

Der Staubozean spielt auf dem Planeten Nullaqua, der, wie der Name schon andeutet, öde und lebensfeindlich ist. Auf Nullaqua gibt es einen Ozean aus Staub, der sich in einem Einschlagkrater befindet und die einzige bewohnbare Zone des Planeten ist. Nieman würde sich groß für Nullaqua interessieren, gäbe es nicht dort und nur dort “Syncophin”, auch “Flackern” genannt, eine Droge die aus den Kadavern von Staubwalen gewonnen wird.

Der Erzähler und die Hauptfigur des Romans ist John Newhouse, der in einer Wohngemeinschaft im “neuen Haus” in Hochinsel, Nullaquas größter Stadt wohnt. Zu beginn bringt der Lieferant des Staubwaleingeweideöls, Andaru, ein Nullaquaner, eine Gallone Öl und einen jungen Mann, Dumonty “Monty” Calothrick, in das Haus. Er erzählt, dass das die letzte Gallone wäre, denn der Verkauf des Öls wäre jetzt illegal. Die WG beschließt daraufhin, einen von ihnen auf Walfangreise zu schicken, wo er nebenbei heimlich Syncophin produzieren soll. Die Wahl fällt auf den nicht ganz zufriedenen John Newhouse, aber überraschenderweise schließt sich Monty auch an.

Das finden eines Schiffes stellt sich als nicht ganz einfach heraus, schließlich heuern John und Monty aber auf der Lunglance an, dem Schiff des Außenweltlers Nils Desperandum. Monty wird einfacher Matrose während John als Smutje verpflichtet wir. Die Besatzung besteht, von Kapitän Desperandum, John und Monty abgesehen, fast nur aus Einheimischen, die ein völlig mürrisches und stilles Volk sind, dass sich hinter den obligatorischen Staubmaksen – quasi vor dem allgegenwärtigen und die Lunge angreifenden Staub schützende Gasmasken – verbirgt. Allerdings auch nur fast, denn der Ausguckposten, Dalusa, ist eine “chirurgisch veränderte fremde Frau”. Dalusa ist ursprünglich von einer anderen, fledermausartigen Spezies, hat sich aber verändern lassen, um menschlicher zu wirken. Allerdings kann sie weder Menschen berühren noch menschliches Essen oder ähnliches zu sich nehmen, da sie menschliche Fette, Enzyme und Bakterien allergisch reagiert.

Dalusa ist nicht das einzig seltsame auf dieser Reise, denn im Laderaum des Schiffes findet John durch Zufall einen Geheimverschlag mit seltsamen Gerätschaften, darunter auch einen Propeller. Der Verschlag kann nur von Desperandum stammen, aber die Bedeutung der Geräte ist nicht offensichtlich. In der Folge geht das Schiff auf Waljagd – die Wale werden geschossen und ausgeweidet – und John destilliert sich mehr und mehr Syncophin ab. Mit Dalusa beginnt er eine Beziehung, deren Vorläufiger Höhepunkt eine Art Petting ist, als er ihr bei einem Sturm das Leben rettet und sie alleine im freien ausharren müssen (Sex ist, auf Grund der oben angesprochenen Tatsachen, natürlich unmöglich). Desperandum zeigt sich in der Folge als an ein an Wissenschaft interessierter Mann, der viele Versuche durchnimmt, sei es mit den Walen, mit Haien oder Sandläufern. Diese sind nicht immer ganz ungefährlich, gehen aber trotzdem glimpflich vonstatten. Desperandum erkennt John als einen cleveren Mann und weiht ihn ein, dass er gewisse Vermutungen darüber hat, was sich im Staubozean alles verbirgt und diese Vermutungen beweisen will.

Eines Nachts eskaliert die Situation zwischen Monty und Murphig, einem nullaquanischen Matrosen, der von Monty und John unwissenderweise als Versuchskanichen zum Test des Syncophins verwendet wurde. Murphig wirft daraufhin, von John beobachtet, Monty über Bord, wird allerdings verletzt und stirbt kurz darauf an einer Überdosis und seiner Wunde. John wird beim Versuch, Murphig über Bord zu werfen, von Desperandum ertappt. Um Stillschweigen zu bewahren, verlangt der von John, dass dieser Murphig, der ihm “sehr nützlich” hätte sein können, ersetzt, ohne näher zu spezifizieren um was es geht, aber John hat natürlich keine andere Wahl als zuzustimmen.

Am nächsten Tag wird offensichtlich, was Desperandum vorhat: er fängt einen Wal, höhlt ihn aus, holt Motor, Propeller und Leim aus dem geheimen Schott und beginnt, den Wal zu einer Art U-Boot umzubauen. Er will damit den tiefen Ozean erforschen und John soll ihn begleiten. Nicht nur das, Nils Desperandum ist in Wirklichkeit Ericald Svobold, der Erfinder des Synchophin. Die Fahrt geht allerdings furchtbar schief; das letzte, was John sieht, ist, wie eine Art riesieger Hand den Wal zerquetscht. Nach einem völlig wirren Traum wacht John auf und befindet sich schwer verletzt auf der Oberfläche des Ozeans. Dalusa kommt heran und schleppt ihn zum Schiff, auch wenn sie sich dazu von ihm berühren und muss und ebenfalls verletzt wird. Dalusa macht sich danach auf die Suche nach Desperandum/Svobold, kehrt allerdings nicht zurück.

John entsagt nach der Rückkehr dem Syncophin und beschließt, Nullaqua zu verlassen. Das hergestellte Syncophin will er allerdings noch an seine ehemaligen Mitbewohner im “neuen Haus” verkaufen, allerdings sind diese mittlerweile alle tot, denn sie haben ihr letzte Syncophin nicht rationieren können und sich dann umgebracht. John lässt das Syncophin trotzdem im Haus und macht sich auf den Weg zum Raumhafen.

Der Staubozean erinnerte mich durchaus an Herman Melvilles Moby Dick, offensichtlich wurde das Buch auch von Frank Herberts Dune inspiriert, was ich allerdings noch nicht gelesen habe. Gut geschrieben und interessant zu lesen – 8 von 10 Punkten.

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Eine Antwort zu “Projekt 52.2008.34: Bruce Sterling – Der Staubozean”

  1. Projekt 52.2009.26: Bruce Sterling – Holy Fire @ ?- bimberstube(rocks). sagt:

    [...] Nach einem Jahr stand mit Holy Fire (Bantam Spectra Book) mal wieder Bruce Sterling auf der Leseliste. [...]

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