Stuttgarter Kickers – Kickers Emden 1:1 (0:0)

September 30th, 2008

Die erste positive Nachricht gab es schon vor dem Spiel: das vermaledeite Netz auf der Gegentribüne ist Weg und man genießt somit freie Sicht auf das Spielgeschehen – für mich das erste Mal, abgesehen von dem Spiel der zweiten Mannschaft, als ich auf der Haupttribüne saß, denn ich bin erst nach Stuttgart gekommen als das Netz schon da war.


Waldau ohne Netz

Einen Sieg gegen den Tabellenzweiten zu erwarten, wäre natürlich vermessen gewesen, die Hoffnung stirbt natürlich aber zuletzt. Zu Beginn zeigten sich die Kickers relativ defensiv trotz 4-4-2, durchaus möglich dass man natürlich einen frühen Rückstand auf jeden Fall vermeiden wollte. Emden kam langsam in Fahrt, nachdem die Kickers keinen zwingenden Chance rausgespielt hatten. Gut, bei dem einen oder anderen Kopfball wäre auch ein Tor möglich gewesen, aber eher glücklich. Emden kam dann gleich zu zwei gefährlichen Chancen, einem strammen Schuss nach einem Einwurf vom 16er aus, bei dem Salz wohl machtlos gewesen wäre und einem Schuss von halbrechts, den Salz zur Seite klären konnte. Bei einem vorherigen Schuss war auch Glück im Spiel, dass er am Pfosten stehende Emdener Spieler den von Salz abgewehrten Ball nicht ins leere Tor schob. Die dickste Chance für die Kickers hatte Oberliga-Neuzugang Schürg, der alleine aus halblinker Position aus circa 11 Metern aber am Emdener Torwart scheiterte – das hätte das 1:0 sein müssen.

Nach der Pause gab’s sofort die erste Chance für Emden nach einem langen Ball – sowas geht auch erfolgreich? ;) – auf Unger, der allerdings in Salz seinen Meister fand (schöner Spruch, was?). In der 49. Minute dann ein kurioser Angriff der Kickers: Vaccaro rutschte der Ball im 16er über den Spann und dieser trudelte daraufhin Richtung Eckfahne, Traut flankte direkt auf den langen Pfosten, wo Gambo auf die andere Seit vom Tor legte und Schürg nur noch einnicken musste – 1:0! Wiederum Schürg verpasste dann leider das 2:0, als er nach schöner Kopfballablage von Vaccaro alleine auf den Emdener Torhüter zulief, nach einem Haken um den Torwart allerdings den von hinten nahenden Sievers übersah und der den Ball klären konnte. Das hätte definitiv das 2:0 sein müssen, noch mehr als die erste Chance von Schürg in der 40. Minute. Wie Hubert schon sagte ist Schürg allerdings wohl noch nicht in der 3. Liga angekommen, aber Perspektive hat er trotzdem, also hoffen wir mal dass er sich positiv weiterentwickelt.

Dann war erstmal wenig los, bis zur 80. Minute, als Schiedsrichter Zwayer auf Elfmeter für Emden entschied. Im Stadion nicht zu sehen, wohl aber in den Fernsehbildern: nie und nimmer war das absichtliches Handspiel, auch wenn die Haltung von Trauts Arm unglücklich ist. Wäre Edgar Schmitt Don Quijote hätte er also mit Fug und Recht aufspringen und “Das nimmermehr!” rufen können. Sei’s drum, Salz war fast dran, allerdings erzielte Rauw das 1:1. Emden hatte jetzt natürlich Feuer und spielte auf das zweite Tor und wieder gab es Elfmeter – wieder im Stadion nicht zu sehen, aber in den Fernsehbildern – und dieses Mal berechtigt als Deigendesch Klasen kurz nach der 16 Meter-Linie legte. Rauw wieder, wieder die gleiche Ecke, diesmal war Salz aber dran und konnte parieren. Die Emdener gegen Ende noch mit einer dicken Chance, als Chaos in der Kickers-Abwehr herrschte, allerdings blieb’s beim 1:1.


Waldau-Crew mal wieder vollzählig

Was bleibt nach dem Spiel? Ein Punkt unter Edgar Schmitt, der damit schon die gleiche Ausbeute hat, wie Stefan Minkwitz in 7 Spielen. ;) Ein Zuschauerschnitt von nicht mal 3.000 bei sehr schönem Wetter, so viel zur Attraktivität der 3. Bundesliga der Kickers, denn es liegt wohl eher an der aktuellen Situation als an den unattraktiven Gegnern. Eine Leistung, die Hoffnung darauf macht, das man nicht sang- und klanglos als letzter absteigt, denn immerhin kamen offensiv einige gute Chancen zustande, die Abwehr stand im wesentlichen nicht schlecht und Salz zeigt sich immer mehr als guter Yeldell-Ersatz. Jetzt geht’s allerdings erstmal auswärts an die Grünwalder Straße zu den kleinen Bayern und dann daheim gegen den VfB II, beides keine einfachen Partien. Sollte da ein 3er rausspringen, könnte man mehr als glücklich sein, aber diese beiden Spiele sollte man noch als Schonfrist für Schmitt abwarten bevor man schon wieder anfängt über den Trainer zu maulen.

Links:
Spielbericht bei den Kickers Emden
Spielbericht bei den Stuttgarter Kickers
Spielbericht beim Kicker
Videos zum Spiel bei svk1899.de

Wort der Woche, Kalenderwoche 40/2008: Courbette

September 30th, 2008

Die Courbette (auch Kurbette), aus dem französischen von courber = krümmen, ist ein Begriff aus der Reitkunst und bezeichnet darin verschiedene Übungen, zum Beispiel das Aufrichten des Pferdes auf die Hinterhand, wie es auch im folgenden Beispieltext verwendet wird:

Als nun Sancho den letzten Entschluß seines Herrn vernahm und sah, wie wenig seine Tränen, Ratschläge und Bitten bei jenem vermochten, nahm er sich vor, seine Zuflucht zur List zu nehmen und ihn womöglich zu zwingen, bis zu Tagesanbruch zu warten. Während er also dem Rosinante den Gurt fester schnallte, schnürte er sachte und unvermerkt dem Gaul beide Beine mit der Halfter seines Esels zusammen, so daß Don Quijote, als er fortreiten wollte, dazu nicht imstande war, weil der Gaul sich nur in kurzen Sprüngen bewegen konnte.
(…)
Mit diesen Gesprächen und andern ähnlicher Art verbrachten Herr und Diener die Nacht. Als aber Sancho bemerkte, daß der Morgen mit starken Schritten herankomme, schnürte er Rosinante mit größter Behutsamkeit los und band sich die Hosen fest. Wie Rosinante sich frei sah, schien er, wenn er auch von Hause aus keineswegs feurig war, sich doch einmal zu fühlen und stampfte etlichemal mit den Vorderfüßen, denn aufs Kurbettieren - er möge es nicht übelnehmen -, darauf verstand er sich nicht. Wie nun Don Quijote sah, daß Rosinante sich wieder rührte, hielt er es für ein gutes Zeichen, und zwar für das Zeichen, daß er sich an jenes erschreckliche Abenteuer wagen solle.
(Miguel de Cervantes, Don Quijote de la Mancha, Kapitel 20)

Offensichtlich gefunden in Miguel de Cervantes Don Quijote de la Mancha, Quelle Wikipedia und Duden)

Projekt 52.2008.29: Pablo Neruda – Hungrig bin ich, will deinen Mund

September 28th, 2008

Ich bin ja kein besonderer Kenner der Lyrik, insofern mag es schon verwunderlich sein, dass ich ein lyrisches Buch “gelesen” habe – gelesen wirklich in Air Quotes, denn ein Lyrik-Buch kann man ja nicht im klassischen Sinn lesen.

Vom Namen her kannte ich Pablo Neruda vor allem aus dem William Gibsons Neuromancer vorangestellten Zitat “Quiero hacer contigo lo que la primavera hace con los cerezos”. Wer von mir auch mal privat eine E-Mail bekommt und auch meine Signatur liest, der findet auch dort ein Zitat von Neruda:

El niño que no juega no es niño,
pero el hombre que no juega
perdió para siempre al niño que
vivía en él y que le hará mucha falta.

Über Hungrig bin ich, will deinen Mund (spanisch Cien sonetos de amor) bin ich zufällig in der Stadtbücherei gestolpert und dachte mir, dass ein bisschen Lyrik mir ja nicht schaden kann. Mit Liebessonette ist das Buch untertitelt, und ebendiese enthält es auch. Sehr interessant ist die Entstehung der enthaltenen Gedichte, denn diese sind alle Matilde Urrutia gewidmet. Sie war ursprünglich Nerudas Geliebte, die er 1966 schließlich heiratete. Aus Rücksicht auf seine Ehefrau veröffentlichte er die ersten Sonette über Matilda Urrutia noch anonym. Hungrig bin ich, will deinen Mund erschien dann zuerst im Eigenverlag und nur auf Bestellung, erst später öffentlich.

Das schöne an dem Buch ist, dass es zweisprachig ist, so dass man sowohl die spanische Originalversion als auch die übersetzte, deutsche Version lesen kann – auch wenn ich zugeben muss, dass ich nur ab und zu einen Blick auf die Originalversion geworfen habe. 4 der 100 Sonette fand haben mir sehr gut gefallen, an sich hat Neruda einen durchaus schönen Stil, wobei ich mich persönlich erst noch an das “Lesen” von Lyrik gewöhnen muss; 9 von 10 Punkten.

AFC Tubize – Standard Lüttich 0:1 (0:1)

September 28th, 2008

Nach dem samstäglichen Spiel Dender gegen Zulte-Waregem konnte ich am Sonntag noch ein Spiel im Brüsseler Umland mitnehmen.

Anfahrt

Wie schon am Samstag ging’s am Gare du Midi los und auch Tubize, knapp 20 Kilometer südwestlich von Brüssel gelegen, ist mit dem Zug in weniger als einer halben Stunde erreicht. Am Bahnhof angekommen kann man eine feine Kirche und das Rathaus bewundern, viel mehr aber auch nicht. Fußläufig ist das Stadion in einer viertel Stunde erreichbar – immer die Hauptstraße nach und dann links. ;)

Im Gegensatz zum Spiel in Dender war in Tubize aber auch ordentlich – für belgische Verhältnisse ;) – was los, was aber auch am Gegner lag: Standard Lüttich war zu Gast, aktueller Meister und einer der erfolgreichsten Vereine Belgiens. Als ich auf der Hauptstraße zum Stadion lief, fuhren schon mal ungefähr zehn Reisebusse mit Lüttich-Fans vorbei. Dass Tubize noch nicht lange in der Jupiler League spielt, nämlich erst seit dieser Saison, merkt man an der arg schmalen Ausschilderung. Wenn man den Leuten folgt, braucht man aber auch keine Ausschilderung.

Stadion

Der AFC Tubize spielt im Stade Leburton, das 5.522 Zuschauern Platz bietet. Die Haupttribüne ist ein relativ großer Klotz, gegenüber gibt es eine kleine Tribüne für die Gästefans, flankiert von Stehplätzen. Die Südtribüne ist momentan im Bau, auf der Nordseite gibt es eine kleine Kneipe sowie momentan eine Stahlrohr-Stehplatz- und eine Stahlrohr-Sitzplatztribüne.

Als ich ankam schaute ich erstmal um das Stadion und machte einige Fotos, bevor ich nach Karten schaute. Gegen Standard Lüttich war die Hütte natürlich voll, aber zum Glück fand ich einen – wie ich später merkte – Lüttich-Fan, der mir eine Karte zum regulären Preis verkaufte – das war auch das erste Mal, dass ich meine französischen Grundkenntnisse wirklich gebraucht habe – Schule sei dank. ;) 27€ waren allerdings nicht ganz günstig für den Sitzplatz auf der Stahlrohr-Tribüne, aber vielleicht war da ein Topspiel-Zuschlag dabei.

Spiel

Tubize hatte als Aufsteiger nach 4 Spieltagen erst einen Punkt, während Lüttich als amtierender Meister erst zwei Punkte abgegeben hatte, insofern war meine Erwartung an das Spiel schon klar. Zu Beginn lief das Spiel relativ lahm an und es kamen keine Torchancen zustande. Mit der ersten großen Chance fiel allerdings auch das 0:1, als Bezua nach einem sehenswerten Spielzug aus kurzer Distanz einköpfte. Nach dem Tor wurde auch offensichtlich, dass im wesentlichen Lüttich-Fans im Stadion waren, denn das ganze Stadion feierte das Tor. Von der Stimmung her waren die Lüttich-Fans natürlich auch während des Spiels deutlich besser zu hören.


Video mit dem 0:1

Tja, viel mehr gibt’s zum Spiel eigentlich auch nicht zu sagen. Lüttich war an sich überlegen und ließ das Spiel laufen, ohne großen Zug zum Tor zu entwickeln. Tubize konnte wahrscheinlich nicht mehr leisten und so wartet man dort noch immer auf den ersten Sieg in dieser Saison, während man in Lüttich an der Tabellenspitze steht.

Links:
Alle Bilder in der Galerie
Spielübersicht bei Transfermarkt.de
Spielbericht bei Standard Lüttich

FCV Dender EH – SV Zulte-Waregem 2:0 (1:0)

September 27th, 2008

Dank eines zusätzlichen privaten Aufenthaltstages bei meiner Dienstreise zu den Collaboration Days in Brüssel am vergangenen Samstag habe ich es endlich geschafft, dienstlichen Aufenthalt und Fußball zu kombinieren – wohl gemerkt als erster am HLRS. ;)

Anstatt also Sonntags abends anzureisen flog ich für den gleichen Preis bereits am Samstag Morgen nach Brüssel und konnte dadurch abends nach Denderleuw zum Erstligaspiel FC Dender gegen SV Zulte-Wagerem. Eigentlich hatte ich geplant, zum Spiel RSC Anderlecht gegen SC Charleroi zu fahren, dieses Spiel wurde allerdings auf den Freitag Abend verlegt.

Anfahrt

Nach der Ankunft in Brüssel suchte ich erstmal mein Hostel auf, deponierte mein Gepäck und machte mich dann auf nach Heysel um das Molekülium Atomium zu besichtigen. Nachdem ich mich vorher ausführlich über Zugverbindungen etc. informiert hatte, konnte ich problemlos am Gare du Midi einen Zug nach Denderleeuw buchen – “allez y retour”, mein französisch ist ja sowas von gut. ;)
Der Zug fährt nicht ganz eine halbe Stunde, also durchaus keine lange Fahrt.

In Denderleeuw angekommen begrüßte mich aus dem Bahnhof kommend erstmal die Polizei, wobei sie mit 3 oder 4 Krawallmachern beschäftigt war. Ob diese was mit Fußball zu tun hatten, war mir aber nicht ersichtlich. Eigentlich suchte ich dann das Stadtzentrum, ging aber irrtümlicherweise erstmal in ein Wohngebiet, so dass es nicht wirklich was zu sehen gab. Auf dem Weg zum Stadion, das man fußläufig vom Bahnhof in einer viertel Stunde erreichen kann, kam ich aber zumindest am Rathaus vorbei; auch das Zentrum ist dann ausgeschildert, wobei es dort auch nicht viel spannendes geben wird, denn Denderleeuw hat nur knapp 17.500 Einwohner.

An sich ist es schon erstaunlich, wie wenig vor einem Erstligaspiel in Denderleeuw los war; wenn ich nicht gewusst hätte, das dort Fußball gespielt wird, hätte ich das vor Ort nicht gemerkt.

Stadion

Der FC Dender spielt im Florent-Beeckmann-Stadion. Das Stadion bietet 8.157 Zuschauern Platz, wenn man deutsche Verhältnisse gewohnt ist also winzig, denn sogar das GAZi-Stadion hat schon mehr als 11.500 Plätze. Das Stadion besteht aus drei Sitzplatztribünen, im Süden befindet sich noch eine ungefähr achtstufige Stehplatztribüne, auf der ich auch meinen Platz einnahm. Die Fans von Dender waren genau auf der gegenüberliegen Tribüne hinter dem Tor, auf der Gegentribüne daneben waren die Gästefans. Mit 4.116 Zuschauern beim Spiel war das Stadion nicht mal halb voll.

Nach einer Renovierung im Jahr 2008 sind die Tribünen alle neu, abgesehen vom Stehplatzbereich. Unter der Haupttribüne befindet sich quasi ein Lokal und der Fanshop. Witzigerweise muss man Getränkebons kaufen, die es allerdings nur vor dem Spiel und in der Halbzeitpause gibt.

Spiel

Beide Mannschaften schenkten sich wenig und begannen gleich recht offensiv. Zulte-Waregem hatte nach einem verunglückten Rückpass die erste Chance, Dender hatte aber den besseren Start für sich und ging bereits nach 7 Minuten mit 1:0 in Führung: Kharroubi spielte steil auf Sylla, der auf rechts zum Tor zieht und den Ball an Torhüter Bossut vorbei einschiebt ins linke Eck schlenzt. Danach wurde Zulte-Waregem aktiver und hatte eine dicke Chance zum Ausgleich, die allerdings leichtfertig vergeben wurde. Denders Smajic prüfte vor der Pause nochmal Bossut, der den Freistoß allerdings über die Latte lenken konnte.

Nach der Pause hatte wieder Dender den besseren Start und ging in der 54. Minute mit 2:0 in Führung: Smajic zog zwei Mann auf sich und spielte Wittesaele im Strafraum an; seinen Schuss ließ Bossut abprallen, woraufhin Wittesaele den Nachschuss zum 2:0 verwandelte. Danach war erstmal Aluminium-Zeit, denn erst sprang ein Kopfball von Roelandts von Zulte-Waregem von der Lattenunterkante zurück ins Feld, dann schoss Dender einen Freistoß an den Pfosten und in der Nachspielzeit hatte Zulte-Waregem noch einen Freistoßt, der auch an die Latte ging.

Alles in allem geht der Siegt für Dender in Ordnung. Zulte-Waregem hatte seine Chancen, konnte diese aber nicht so gut nutzen und hatte verdientermaßen das Nachsehen.

Nach dem Spiel

Nach dem Spiel machte ich mich zeitig auf den Weg zurück zum Bahnhof, um den nächsten Zug nach Brüssel zu erwischen. Das klappte auch ohne Probleme, so dass ich mich ob der Frühe des Abends entschied, nochmal zum Hauptbahnhof zu fahren und ein bisschen über die Grand Place und den Grasmarkt zu schlendern.

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Infos zum Spiel bei Transfermarkt.de
Spielbericht beim FC Dender