Eduard Graf von Keyserling, den “baltischen Fontane”, las ich zum ersten Mal im Rahmen der SZ-Bibliothek Teil 1; Wellen war das zweite Buch, das ich vergangenes Jahr gelesen habe. Und als ich demletzt in der Bücherei über ein Buch von Harry Mulisch stolperte, fand ich an gleicher Stelle auch Dumala von Keyserling.
Wie Wellen ist auch Dumala ein Roman, der im Baltikum spielt. Erwin Werner ist Dorfpastor und mit seiner Frau Lene nur mehr oder weniger glücklich. Abwechslung vom teils doch eintönigen Leben im Pastorat erfährt er im wesentlichen dann, wenn er nach Schloss Dumala fährt. Dort pflegt die hübsche Baronin Karola Werland ihren todkranken Mann. Dieser ist offiziell zwar der Grund für Werners Besuche, er ist jedoch auch in Karola verliebt und erhofft sich mehr als nur Gespräche. Mit seiner Liebe zu Karola steht er nicht alleine da, denn Karl Pichwit, ein Diener des Barons, sowie der in der Nachbarschaft lebende Baron Behrent von Rast sind ebenfalls in Karola verliebt.
Über den Dorftratsch erfährt Werner, dass Karola sich heimlich in einem Turmzimmer mit von Rast vergnügt. Er beobachtet sie deshalb nachts heimlich, ebenso wie Karl Pichwit. Und nachdem er merkt, dass von Rast immer eine riskante Abkürzung nimmt, die über eine morsche Brücke führt, beschließt er schließlich, einen Mordanschlag zu verüben. Er lockert einige Brückenbretter und verbirgt sich im Wald, hält aber kurz vor dem Unglück von Rasts Kutsche an. Dies veranlasst von Rast, der durchschaut dass Werner der Täter war, mit Karola zu fliehen. Zurück bleiben der Baron Werland, Karl Pichwit und Pastor Werner. Als der Baron schließlich stirbt, reist Pichwit ab und die Verwandten des Barons an, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, sind jedoch entsetzt, dass er seine Frau nicht enterbt hat. Karola kommt schließlich, ohne von Rast, wieder nach Dumala zurück, um ihr Erbe anzutreten. “Allein sein, daß ist wohl meine Bestimmung” sind einige ihrer letzten Worte.
Die Einsamkeit an sich ist ein großes Thema in diesem Roman, denn ebenso wie Karola einsam wiederkehrt so blieben vorher die drei Männer zwar zusammen, aber trotzdem einsam zurück. Ein interessanter Roman, der die Psychologie der Charaktere detailliert offenbart; 8 von 10 Punkten.
P.S.: Sehr alte Texte sind teilweise einfach unfreiwillig komisch, was auch für Dumala, erstmals 1908 erschienen, gilt. Besonders amüsant fand ich die folgende Szene, die sich zuträgt als Werlands Verwandte nach dessen Tod in Dumala tafeln.
Oben an der Tafel saß die Baronin Sophie aus Pehwicken. Sie hatte die Fettsucht und nahm die ganze Schmalseite des Tisches ein. Der Leutnant Emmerich von Basserowschen, der ziemlich ungezogen war, nannte sie: “die Tanten Sophie”, weil sie für eine Tante zuviel sei. Dann kamen die Kinder des Grafen, die Zwillinge der Tante Sophie, fette, sechzehnjährige Mädchen, denen dicke blonde Zöpfe über den Rücken niederhingen, und die zwei Dragonerleutnants und Mademoiselle Pin. (S. 121)