Hannover 96 – FC Bayern München 0:3 (0:0)

Wie immer geht mein Dank hier erstmal an meinen Auswärtskartendienstleister Flopsi, der mir mal wieder eine Karte mitorganisiert hatte. Eigentlich hätte ich auch zwei Karten bekommen sollen, aber nachdem sich meine Kreditkartendaten geändert hatten war das für die Ticketingabteilung wohl ein bisschen viel und meine eigentlich schon bestätigten Karten gingen wieder flöten. Neben der Karte hatte Flopsi auch schon alles so fein organisiert, dass ich mich um nichts weiter kümmern brauchte, als am Sonntag um 08:00 abfahrbereit zu sein.

Anfahrt

Wie gesagt ging’s um 08:00 in Aschaffenburg mit dem Auto los, allerdings nur bis Frankfurt-JTP (für die nicht Eingeweihten: das ist der Johanna-Tesch-Platz, eine präferierte Parkmöglichkeit). Von da aus dann an den Frankfurter Hauptbahnhof, wo wir uns vor Abfahrt des Zuges nach Fulda noch mit Brezeln eindeckten. Diese waren auch unbedingt nötig, denn mit ihnen vervollständigten wir die Zutatenliste für unser Weißwurstfrühstück. Diese sehr feine Spezializtät gab es dann so gegen 11:00, als wir das Frankfurter Stadtgebiet verlassen hatten und Richtung Osthessen schipperten. In der kostenfrei erworbenen und am Ende sogar zurück mit nach Aschaffenburg genommenen Thermoskanne waren die Weißwürste perfekt gereift und wir genehmigten uns ein Festmahl, das es so in einem deutschen Zug wohl noch nicht gegeben hat. Großes Lob nochmal an den Organisator und überhaupt die gute Idee.


Lecker, lecker, Frau Veseloski!

In Fulda hieß es dann umsteigen, ebenso nochmal in Göttingen. Der Zug wurde naturgemäß immer voller, wobei es eher ruhig war. In unserer ausgemachten Lieblingshaltestelle Einbeck-Salzderhelden bekamen wir auf unserem 4er-Sitz die Gesellschaft eines älteren Ehepaares, das mit uns über Einbeck-Salzderhelden, Markoldendorf, Gerhard Schröder, den FCB und Holz machen quatschte. Nunja, das Ehepaar an sich quatschte nicht, der Mann hatte einen ausgeprägten Drang zur Kommunikation, war aber ganz nett. Toilettenprobleme gab es dieses Mal übrigens keine, unabhängig davon dass wir immer kurz vor der Endhaltestelle zur Sicherheit die Toiletten nochmal aufsuchten. Gegen 14:30 waren wir dann schließlich in Hannover am Hauptbahnhof.

Stadt

Nichts los im Städtchen, der Fluch der Sonntagsspiele. Also begannen wir, uns mal nach was zu essen umzuschauen und schlugen schonmal den Weg Richtung Stadion ein; der Bahnhofsvorplatz, uns vorher als Kleinod angepriesen, erwies sich als wenig spektakulär. Sehenswert immerhin das Reiterstandbild von Ernst August. Unsere Essensplanung war auf Döner ausgerichtet, aber wird fanden leider nur einen und der sag nicht besonders lecker aus. Nach einer kleinen Runde durch die Innenstadt, bei der wir einige der sehenswerteren Wahrzeichen Hannovers – den Kröpcke, die Marktkirche, das Neue Rathaus, das Gebäude der Norddeutschen Landesbank – betrachten konnten, machten wir uns dann recht zeitig auf den Weg zum Stadion. Insgesamt waren wir schon relativ lange unterwegs bis wir da waren, was aber daran lag, das wir nicht den direkten Weg vom Bahnhof aus genommen hatten; dann ist man in einer knappen halben Stunde am Stadion.

Stadion

Von außen erinnert das Stadion auf Grund seiner Dachkonstruktion an das Gottlieb-Daimler-Stadion, jedoch ist es innen sehr viel besser gestaltet. Es gibt einen Unterrang und einen Oberrang; beide Ränge wirken, zumindest Richtung Kurven beziehungsweise Osttribüne ausreichend steil, sodass die Entfernung zum Spielfeld nicht zu groß wird, was ja im Daimler-Stadion ein altbekanntes Problem ist. Vom ehemaligen Niedersachsenstadion ist nach dem Umbau zur WM 2006, der 2003/04 durchgeführt wurde, nur die Westtribüne mit ca. 20.000 Plätzen; von dort ausgehend ist der Neigungswinkel auch relativ flach, Richtung Osttribüne wird er allerdings immer größer. Wir selbst hatten Karten in der Südkurve, demnach kann ich subjektiv sowieso nichts zu den Tribünen sagen. Der Gästefanblock – zumindest der Stehplatzbereich – ist im Oberrang, wo wir uns vor Spielbeginn mal umschauten und nach bekannten Gesichtern suchten. Unser Platz selbst war im Unterrang, Reihe 19, also in einer der letzten Reihen; die Sicht war sehr gut, nur das Tornetz hat ein wenig gestört.

Spiel

Das Spiel begann relativ langsam, wobei Hannover zu Beginn schon versuchte, die Bayern unter Druck zu setzen. Die erste nennenswerte Aktion gab es dann nach knapp 10 Minuten, als Lahm einen Ball über Kahn hinweg köpfte; Hanke konnte den Fehler aber zum Glück nicht ausnutzen. Ich will ja nicht wissen, was Kahn Lahm in der Kabine erzählt hat. ;)

Die erste Chance der Bayern gab es dann nach 25 Minuten, allerdings auch nichts 100%iges: über Altintop ging’s schnell über rechts, der auf Schweinsteiger nach links, der den Ball wiederum auf rechts auf Toni in Höhe des Fünfers flankte; hätte Toni nochmal abgelegt, wäre Klose da gewesen, so hatte Enke keine Probleme den Kopfball zu halten. Altintop hatte kurz danach noch eine Chance, zog aber deutlich am langen Eck vorbei. Die Bayern bekamen das Spiel dann mehr und mehr in den Griff, spielten aber meistens zu umständlich und wenig effektiv. Über die Flügel ging quasi gar nichts und Toni rannte sich meistens aussichtslos weit weg vom Strafraum fest. Fehlpässe produzieren ging leider auch deutlich besser als mal einfach schnell nach vorne spielen. 5 Minuten vor der Pause hatte Frank Bommel van Bommel die Chance auf das 0:1 nach klugem Rückpass von Altintop, setzte seinen Fernschuss allerdings klar am Tor vorbei.

Leider hatte Hitzfeld zur Halbzeit noch keine Lust, Spieler auszuwechseln, so dass ich dem Rest des Spiels nicht wirklich positiv entgegen sah. Hannover hattte zwar nichts gebracht, aber von Bayern kam auch nicht genug. Sangol und Schweinsteiger hätten von mir aus zur Halbzeit auf der Bank bleiben können, aber vielleicht hatte Hitzfeld eine flammende Ansprache gehalten und wollte mal schauen ob sie wirkt. ;)

Die Bayern machten jetzt jedenfalls ernst und begannen nach 5 Minuten mit einer guten Ecke, bei der aber weder Toni noch Schweinsteiger den Ball aus kurzer Entfernung Richtung Tor brachten. Kurz danach durfte erstmal Dieter Hecking auf die Tribüne, nachdem er sich über zwei nichtgepfiffene Foulspiele der Bayern – nach Durchsicht der Fernsehbilder zurecht – aufgeregt hatte. Von der Tribüne aus konnte er dann erst mal die zwei nächsten Ecken sehen. Schon die erste kam gut von Altintop auf Klose, aber Enke konnte den Ball über die Latte lenken. Die nächste Ecke, kurz ausgeführt und dann von Schweinsteiger reingebracht, konnte zwar von Huszti aus dem 16er geklärt werden, allerdings nur auf van Bommel, der direkt per Kopf auf Toni spielte. Toni fackelte nicht lange und setzte einen genialen Drehschuss an Enke vorbei zum 0:1 ins Tor (da die Bayern in der zweiten Halbzeit auf die Nordkurve spielten und es keine Wiederholung gab, war leider nicht allzuviel zu erkennen; das Toni das so gut gemacht hat, habe ich erst in der Wiederholung gesehen. Direkt danach war dann der Drops gelutscht, als Schweinsteiger sich auf halblinks durchwuselte, steil auf den in der Mitte frei stehenden Toni spielte und der zum 0:2 einschob.

In der 69. Minute, kurz nach dem 0:2, ging dann endlich Sagnol (für ihn kam Lell), der keine wirklich ansprechende Leistung lieferte. Hannover beste “Chance” stellte dann in der 79. Lahm her, als er reichlich übermotiviert in einen Kopfballzweikampf mit Hanke ging; Merk hätte zwar Elfmeter pfeifen können, aber so zwingend wie das im DSF gesehen wird meiner Meinung nach auch wieder nicht. Statt Elfmeter und Anschlusstreffer gab’s dann zum guten Schluss noch das 0:3, als Toni mit dem Fuß erst scheiterte, dann aber per Kopf selbst noch abstauben konnte. Damit war die Partie natürlich absolut gelaufen; die Einwechselungen von Podolski für Klose und Ottl für van Bommel brachten eher einen Zeitgewinn als sonstwas, denn das Spiel war den Rest der Zeit sehr zerfahren, so dass die späten Einwechselspieler quasi keine Spielzeit mehr hatten.

Durchaus verdient also der zweite Auswärtssieg live diese Saison. Schweinsteiger, im DSF als bester Mann gehandelt, war zwar durchaus gut, hatte aber auch durchaus schwache Szenen. Von Klose hat man allgemein eher wenig gesehen, außer einem guten Kopfball; Sagnol hätte ich auch lieber früher raus gehen sehen, denn offensiv ging bei im quasi nichts und hinten verblödelte er teilweise auch Bälle. Gerade nach dem 0:2 wäre vielleicht noch etwas Spielzeit für den einen oder anderen Bankdrücker gewesen, aber einerseits macht Hitzfeld sowas generell nicht und andererseits hatte er vielleicht auch keine Lust, sich am Ende wieder das dumme Gewäsch von Rummenigge anhören zu müssen wenn es nochmal knapp geworden wäre. ;)

Wer nichts vom Spiel gesehen hat: die Toni-Show sollte man sich schon mal anschauen:

Rückfahrt

Nach dem Spiel machten wir uns, wiederum per pedes, auf zum Bahnhof, da wir nicht viel Zeit hatten, den Laufweg aber von der Zeit her einigermaßen kalkulieren konnten, im Gegensatz zu etwaigen verpassten U-Bahnen etc. Ein strammer Fußmarsch war zwar nötig, aber wir waren relativ zeitig am Zug, der allerdings schon gut gefüllt war. Mit Zwischenstop in Einbeck-Salzderhelden ging’s erstmal nach Göttingen, wo wir gegen 21:00 im Zug nach Kassel dann auch endlich unser “Mittagessen” einnehmen und uns an einem Einbecker Bier laben konnten. Von Kassel an hatten wir dann noch gemütliche zweieinhalb Stunden bis nach Frankfurt, wo wir immerhin ohne große Wartezeit zurück zum Auto kamen. Um 1:30 war ich dann wieder daheim und dankbar, den Montag frei zu haben.

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