SpVgg 05 Oberrad – FC Bayern Alzenau 1:2 (1:0)

Erster Hessenliga-Spieltag nach der Winterpause und die Gelegenheit, mal wieder einen Ground dort abzuhaken, wobei nur ein Spiel in Frage kam, denn 150+ km wollte ich für den einfachen Weg irgendwie nicht aufwenden, es blieb also nur das Gastspiel der Bayern aus Alzenau bei der SpVgg Oberrad. Die war mir bis dato kein Begriff, ich hatte nicht mal mitbekommen, dass sie in die Hessenliga aufgestiegen sind. Vom Ground stand wenig zu erwarten, was ich von den wenigen Bildern und aus Luftbildern sehen konnte, dafür gab es noch ein ganz gutes Rahmenprogramm: Stippvisite beim Goetheturm vorher, dann burgern in Frankfurt und schließlich ein Abstecher beim Ikea in Hanau auf dem Heimweg, für meine Konsole wollte ich schon lange noch ein Regal kaufen. Außerdem ließ sich Thomas begeistern, einem schönen Ausflug stand also nichts im Weg.

Erste Schwierigkeit war, den richtigen Weg zum Ground zu finden, das Navi kannte die Hausnummer im Sachsenhäuser Landwehrweg nicht, am Ende standen wir dann beim Goetheturm auf dem Parkplatz anstatt am Stadion, aber halb so schlimm, da wollten wir ja eh hin und von dort waren es ja nur ein paar hundert Meter zu laufen. Der Goetheturmausflug war dann wenig erfolgreich, da der Turm im Winter geschlossen hat, also gings direkt zum Stadion, der Cache des Tages lag dankenswerterweise noch auf dem Weg. Am Stadion wars ganz witzig, direkt nebenan liegt ein Park, von dem man eigentlich auch perfekte Sicht aufs Spielfeld hat, aber was will man machen, 7 € später waren wir dann drin. Gespielt wurde, wie erwartet, auf dem Kunstrasenfeld, was aber keinen Unterschied von der Perspektive her machte, weder am Rasenplatz noch am Kunstrasenplatz gibt es irgendeine Art von Tribüne, am Kunstrasenplatz konnten wir immerhin noch auf einer Wand stehen und hatten damit immerhin ein kleines bisschen Tribünenflair. Die obligatorische Wurst hatten wir da schon verzehrt, Note mangelhaft, meine war erst halb fertig und damit noch zur Hälfte kalt, dafür gab es für 5 € zwei Würste und zwei Cola, letztere in der dänischen Dose, keine Ahnung ob das der Normalpreis war oder ob der Kollege am Grill sich verrechnet hat, aber das machte die mäßig Wurst immerhin erträglich. Stimmungstechnisch war leider gar nichts geboten, aus einem kleinen Kinderchor am Ende, immerhin gabs ein paar Fahnen und Banner der Gastgeber.

Das Spiel war relativ mau, Alzenau immerhin 2. der Tabelle, Oberrad auf 11, nicht schlecht für einen Aufsteiger, Alzenau brachte wenig, größter Lacher in der ersten Halbzeit war die Unterhaltung von Alzenau-Trainer Jochen Seitz mit dem Assistenten, der dann sagte “Herr Seitz, wir machen das schon!” ;) Ein wunderbarer Angriff führte immerhin zum 1:0 für die Gäste, schöne Flanke von der Seite, Kopfballverlängerung und dann ein Volleyschuss zur Führung, echt sauber rausgespielt. In der Pause wechselten wir dann die Seiten und standen immerhin ein bisschen schön in der Sonne, dafür vor dem falschen Tor. Alzenau dreht das Spiel, zwei Mal war die Oberräder Hintermannschaft bei zweiten Bällen auf den langen Pfosten nicht im Bilde. Recht glücklich und nicht unbedingt verdient, aber gute Chancenverwertung halt. Oberrad drückte dann noch auf den Ausgleich, allerdings ohne Erfolg, auch der mit nach vorne geeilte Torwart konnte am Ende nichts ausrichten.

Leich unterkühlt gings zurück zum Auto und erstmal ab nach Bockenheim zu Fletchers Better Burger, war nicht schlecht, aber jetzt auch nicht der beste Burger der Welt, muss ich nicht nochmal haben. Nächster Stop, nach kleinen Schwierigkeiten mit dem Navi, war dann der Ikea in Hanau, wo es neben dem Regal dank Thomas noch einen Hot Dog und ein Eis gab – nahrungsmitteltechnisch war der Trip also durchaus vorne dabei, mit dem Ikea-Besuch auch erfolgreich, mit Oberrad auch definitiv einen der wenig sehenswerten Grounds der Hessenliga abgehakt.

Bilder

Goetheturm, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Zum Fuchs, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Parkplatz, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Spielankündigung, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Zur Kasse, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Kasse, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Kinderwagenparkplatz, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Banner, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Spieltafel, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Grill-Station, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Kunstrasenplatz, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Kunstrasenplatz, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Kunstrasenplatz, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Banner, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Mannschaften, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Blick Richtung Rasenplatz, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Spielszene, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

1:0 Oberrad, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

SOMA-Banner, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Ultras, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Kunstrasenplatz, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Kunstrasenplatz, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Banner am Rasenplatz, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Anzeigetafel, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Freistoß Oberrad, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Letzte Chance, Beckerwiese, SpVgg 05 Oberrad - FC Bayern Alzenau

Projekt 52.2015.05: Robert Pobi – Bloodman

Kleine Atempause, bevor es heiter weiter mit der SZ-Bibliothek geht, da kam mir ein von Mama K. fertig gelesener Krimi gerade recht. Auf ihren Hinweis, das Ende wäre recht überraschend und damit hätte sie ja nie gerechnet war ich natürlich besonders aufmerksam, wobei ich den eigentlichen Täter nur kurz in Betracht zog, ist auch nicht offensichtlich dass man drauf kommt, wobei einiges darauf hindeutet, ist ein bisschen wie bei Fight Club, deshalb war ich dann nicht so ganz überrascht. Ob die Geschichte plausibel ist, sei mal dahingestellt, um das zu überprüfen, müsste ich das Buch aber nochmal lesen, das muss dann aber auch nicht sein. ;)

Jack Cole ist FBI-Ermittler und kehrt nach 30 Jahren Abwesenheit in seinen Heimatort Montauk – da muss ich immer an “Eternal Sunshine of the Spotless Mind”, weniger an Max Frischs Montauk, das ich auch nicht gelesen habe, denken – zurück. Sein Vater, ein berühmter Künstler, früher Freund von Picasso und Warhol, hat sich selbst entzündet und dabei schwer verletzt und liegt jetzt im Krankenhaus. Da Cole sowieso vor Ort ist, wird er vom FBI gebeten, einen Doppelmord zu untersuchen, bei dem eine Frau und ihr kleiner Sohn gehäutet wurden, genauso wie Jakes Mutter vor 30 Jahren. Als ob die Mordermittlung nicht schon problematisch genug wäre spielt auch Mutter Natur noch mit, ein Hurrikan, noch schlimmer als der Long Island Express von 1938, ist auf direktem Weg nach Montauk.

Literarisch gesehen ist das Buch recht leichte Kost und liest sich schnell, der Inhalt ist natürlich etwas schwerer, wobei es erträglich ist, da die Morde nur in Jakes Analyse aufleben. Wer Chris Carter gelesen hat, ist da schlimmeres gewohnt, wobei es doch recht gruselig zugeht und gerade die Endszene, Stichwort Haut, ist dann doch relativ erschreckend. Okayne Kost für Zwischendurch, Robert Pobi hat nach diesem, seinem Erstling, wohl zwei weitere Bücher nachgelegt, wenn Mama K. die nicht zufällig irgendwo günstig bekommt werde ich die aber wohl eher nicht zu Gesicht bekommen. ;)

Nett…

image

… wenn so ein rein formales Anschreiben eine persönliche Note hat. :)

Projekt 52.2015.04: Ilse Aichinger – Die größere Hoffnung (SZ-Bibliothek Band 72)

Trotz vielversprechendem Beginn bin ich schon wieder vier Bücher hinter der nicht ganz ernsthaft angepeilten Bestmarke von einem Buch pro Woche, was ein bisschen Ivo Andrics umfganreichem Die Brücke über die Drina geschuldet ist, andererseits ist auch Ilse Aichingers Die größere Hoffnung nicht ganz unschuldig daran. Das soll keineswegs heißen dass das Buch, mal wieder ein First, wie in der SZ-Bibliothek typisch, schlecht ist, sondern nur dass es doch recht anspruchsvoll zu lesen war, mit gerade mal um die 220 Seiten war es vom Umfang her doch eigentlich überschaubar.

Die größere Hoffnung, Aichingers 1948 erschienener erster Roman, schildert autobiografisch das Schicksal von Ellen, einer “Halbjüdin” – “zwei richtige Großeltern, zwei Falsche” – im Nationalsozialismus. Ellen lebt in einer nicht genannten Stadt, ich vermute mal es ist Aichingers Geburtstadt Wien, bei ihrer Großmutter und hat es als Halbjüdin doppelt schwer, denn einerseits ist sie den Demütigungen unterworfen, die den Juden zu dieser angetan werden, andererseits wird sie von den “volljüdischen” Kinder nicht wirklich anerkannt, da sie eben auch “zwei richtige” Großeltern hat. Das führt dazu, dass die anderen Kinder schließlich deportiert werden und Ellen mit ihrer Großmutter zurück bleibt, die sich, aus Angst vor ihrer eigenen Deportation, mit Gift das Leben nimmt. Ellen trifft anscheinend in der Endphase des Krieges, schließlich auf eine Gruppe Soldaten, die gegen den Nationalsozialismus kämpfen, wo genau ist unklar, anscheinend wurde sie schließlich auch noch deportiert. Mit einem der Soldaten macht sie sich auf den Weg zurück in ihre Heimatstadt, allerdings wird dieser verletzt und muss von Ellen zurückgelassen werden. Schlussendlich stirbt Ellen kurz bevor sie ihr Ziel erreicht.

Die vielen Vermutungen und unklaren Ausdrücke in der Kurzbeschreibung oben deuten es schon an, das Buch schildert keine Fakten klarer Reihenfolge, stattdessen wird in zehn Kapiteln eine märchenhafte Geschichte erzählt. Man weiß nicht so ganz genau, was Ellen genau erlebt, wann sie wacht und wann sie träumt. Ein durchaus interessanter Ansatz, der teilweise recht anspruchsvoll zu lesen ist und oft nur zwischen den Zeilen schildert, was die eigentliche Geschichte ist. Sprachlich hat mir das Buch außerordentlich gut gefallen, auch wenn es nicht immer einfach zu lesen ist.

FC Bayern München – FC Schalke 04 1:1 (0:0)

In der letzten Zeit schaffe ich es ja nicht sonderlich oft nach München, das letzte Mal habe ich die Bayern live beim Supercup in Dortmund gesehen, auch schon fast wieder ein halbes Jahr her, wurde also Zeit für das erste Heimspiel der Saison 2014/15. Prinzipiell wäre ich jetzt nicht unbedingt zu Bayern – Schalke gefahren, aber da es die Spieltags-Stadiontour, die wir Claus zum Geburtstag geschenkt hatten, für diesen Termin unerwarteterweise noch gab und Claus auch zwei Karten über hatte war die Gelegenheit zu gut, mit Schalke war ja prinzipiell auch kein unattraktiver Gegner zu Gast, das dachte ich zumindest vor dem Spiel. Die Stadionführung machte eine arg frühe Anreise nötig, denn sie ging schon um 14:30 los, war aber sehr interessant und auch högschde Zeit, mal hinter die Kulissen der Allianz-Arena zu blicken, das abendliche Spiel war immerhin schon mein 73. vor Ort. Nach der Tour war noch genug Zeit, dass wir nochmal Richtung Kieferngaten spazieren und was essen gehen konnten, der Italiener an der Paul-Hindemith-Allee ist durchaus empfehlenswert.

Pünktlich waren wir dann wieder im Oberrang und sahen Bayern, die sich gegenüber Wolfsburg verbessert zeigten und Schalke hinten rein drückten. Die Freude währte allerdings nur knapp länger als eine Viertelstunde, mal wieder reichte ein langer Pass, um die Bayern-Abwehr in Bedrängnis zu bringen, Boateng foulte Sam, Notbremse, folglich Rot und Elfmeter, ganz toll. Zum Glück war Choupo-Motings Elfmeter grottenschlecht geschossen und Neuer konnte ihn halten, mit 10 Mann 0:1 hinten wäre nicht fein gewesen. Schalke war mit einem Mann mehr keineswegs an Spielkontrolle interessiert und stand weiter tief, vor der Pause passierte aber nicht viel, die Ahnung, dass wenn für die Bayern ein Tor fällt wohl Robben der Torschütze sein würde, konnte einem in der ersten Hälfte durchaus kommen, später sollte sie sich ja auch als zutreffend erweisen.

Schalke enttäuschte auch nach der Pause, Angsthasenfußball in Überzahl, ich weiß nicht wann ich mal eine Mannschaft in Überzahl so tief stehen sehen habe, teilweise waren alle Spieler außer Neuer in der Schalker Hälfte. Der mittlerweile eingewechselte Lewandowski erzielte nach gut 65 Minuten dann scheinbar die Bayern-Führung, indem er Uchida als Bande nutzte, angeblich war der Ball aber im Toraus gewesen. Der Ärger war noch nicht verraucht, da traf dann wirklich Robben, sogar mit dem Kopf, nach Eckball von Alonso. Bayern spielt ja in den letzten Jahren aber immer gerne nach dem Motto “bei eigenen Ecken ungefährlich, bei gegnerischen anfällig”, so wars dann auch am Dienstag, Höwedes in bester di Matteo-Chelsea-CL-Finalmanier mit dem unverdienten 1:1 nach (laut Kicker) der einzigen Ecke für Schalke im ganzen Spiel (ich meine mich zu erinnern dass auf der Anzeigetafel ein Verhältnis von 5:2 stand, kann mich aber auch täuschen). Viel mehr passierte dann nicht, Lewandowski hatte nach einem langen Ball noch eine schöne Szene, zumindest was die Ballannahme betraf, der Abschluss geriet aber völlig darüber.

Bayern also auch im zweiten Spiel 2015 ohne Fortune, dieses Mal in der Defensive zumindest sattelfester, sieht man mal wieder vom ersten langen Ball ab, der die Rote Karte von Boateng zur Folge hatte. Da Wolfsburg in Frankfurt auch nur Unentschieden spielte, ist das Unentschieden gegen Schalke verschmerzbar, verdient haben es sich die Schalker aber nicht, wer in Überzahl so hasenfüßig spielt gehört eigentlich ohne Punkte nach Hause geschickt. Beim Südgipfel nimmt der FCB am Samstag hoffentlich drei Punkte aus Stuttgart mit, ich kann leider nicht vor Ort sein, weil mich der FCB mal wieder nicht mit Karten bedacht hat, diese Saison ist die Quote echt unglaublich, die ersten Karten, vom Supercup, der im freien Verkauf war, abgesehen, habe ich jetzt für das CL-Achtelfinale gegen Donezk bekommen, nachdem ich wohlgemerkt für alle Ligaspiele bis dahin Anfragen gestellt hatte. Wird mit mehr als 250.000 Mitgliedern halt auch alles nicht besser.

P.S.: Nach der letzten Aufstockung waren am Dienstag das erste Mal 75.000 Zuschauer im Stadion, immerhin also einen Rekord vor Ort miterlebt. ;)
P.P.S.: Hintergrund zur Traueraktion in der Südkurve

Bilder

Immer wieder schön - Allianz-Arena bei Nacht

Immer wieder schön – Allianz-Arena bei Nacht

Südkurve im Gedenken an ein verstorbenes Mitglied

Südkurve im Gedenken an ein verstorbenes Mitglied

Südkurve im Gedenken an ein verstorbenes Mitglied

Südkurve im Gedenken an ein verstorbenes Mitglied

Uchida tröstet Boateng

Uchida tröstet Boateng

Elfmeter Choupo-Moting

Elfmeter Choupo-Moting

Neuer Zuschauerrekord, Allianz-Arena, FC Bayern München - FC Schalke 04

1:0 Robben

1:0 Robben

Bayern feiert das 1:0, Allianz-Arena, FC Bayern München - FC Schalke 04

Schalke wohlgemerkt ambulant, äh, in Überzahl

Schalke wohlgemerkt ambulant, äh, in Überzahl

Schalke unverändert hinten drin

Schalke unverändert hinten drin

Und weils so schön war nochmal: Schalke immer noch in Überzahl...

Und weils so schön war nochmal: Schalke immer noch in Überzahl…

Endstand, Allianz-Arena, FC Bayern München - FC Schalke 04

1. FSV Mainz 05 II – Stuttgarter Kickers 2:3 (0:0)

Am Bruchweg war ich ja letzte Saison bei der Aufstiegsrelegation zur 3. Liga gegen Neustrelitz und freute mich über den Mainzer Erfolg, bedeutete er doch dass ich nicht nach Neustrelitz musste, um die 3. Liga voll zu machen und ein potenziell halbwegs nahes Kickers-Auswärtsspiel, also selbst nach dem Darmstädter Aufstieg immerhin mit Mainz und Wiesbaden zwei halbwegs nahe Grounds. Nach Wiesbaden konnte ich am ersten Spieltag leider nicht, Mainz ließ ich mir aber nicht nehmen, obwohl das Spiel als erster Spiel nach der Winterpause natürlich vom Wetter her nur bedingt attraktiv war. Es war aber an sich weniger kalt als erwartet, insofern kein Problem, am Bruchweg steht man halt auch besser als auf vielen anderen zugigen Fußballplätzen in der 3. Liga oder unterhalb. Parken ging dieses Mal direkt gegenüber vom Stadion, sehr schön, danach bestaunte ich kurz die recht massive Polizeipräsenz ehe ich mir eine Karte für den Gästestehplatzblock wichtelte. Die Einlasskontrolle war mal wieder Typ Extra Scharf, sehr gründliches Programm inklusive Brillenetui, Kamertasche und Aufkleberkontrolle im Geldbeutel, da steh ich ja immer total drauf, aber gut, lief immerhin alles freundlich ab.

Im Block gabs erst mal ein Deja Vu, ich meine mich zu erinneren dass ich beim Ligapokal Bayern-Bremen mal an der gleichen Stelle stand, ist allerdings schon lange her. ;) Am Eingang sah der Block recht voll aus, Richtung Mitte der Gegentribüne war aber noch reichlich Platz, obwohl meiner Ansicht nach die Kickers den Löwenanteil der Zuschauer stellten, insgesamt waren 991 Zuschauer vor Ort, vor allem die Mainzer Präsenz auf der Südtribüne ließ arg zu wünschen übrig.

Die Kickers spielen ja aktuell noch um den Aufstieg mit, Mainz steht unten drin, so sah das Spiel auf einem ziemlich bescheidenen Platz auch aus. Die Kickers feldüberlegen aber ohne richtig dicke Chancen, Mainz im wesentlichen in der Defensive, aber mit einem ganz guten Angriff in der ersten Halbzeit, wäre da der Ball, vielleicht dank des bescheidenen Rasens, nicht versprungen, das hätte die Führung sein können, so gings jedenfalls torlos in die Halbzeitpause. Empfehlen kann ich auf jeden Fall die Feuerwurst, die Preise für Speisen sind auch okay, die Wurst kostete glaube ich 2,80 €, die Getränkepreise stammen wohl noch aus der Zeit, als die erste Mannschaft hier Bundesliga spielte, die sind schon happig für die 3. Liga, ich glaube fast 4 € für eine Halbe. Nach verputzter Feuerwurst stand ich in der zweiten Halbzeit dann eher am Aufgang, von wegen Kickers-Torchancen sehen und in der Tat ging es weiter wie in der ersten Halbzeit, die beste Chance war ein abgefälschter Schuss von (ich glaube) Marchese, der den Torwart auf dem falschen Fuß erwischte und Richtung Linie trudelte, aber schlussendlich doch noch vom Keeper geklärt werden konnte. Quasi im direkten Gegenzug gabs dann zwei kalte Duschen, aus dem Nichts zwei Tore für Mainz. Die Kickers ließen aber die Köpfe nicht hängen und nach ein paar Minuten gabs auf der anderen Seite einen Doppelschlag, zwischen den beiden Kickers-Toren lagen, wie bei den Mainzern, drei Minuten, in zehn Minuten waren so 4 Tore gefallen. Ich hatte zwar vor dem Spiel mehr erwartet, dem Verlauf nach wäre ich aber mit dem 2:2 zufrieden gewesen, ein schöner Schuss von Leutenecker kurz vor Schluss sorgte allerdings für den, sieht man mal von den zwei Gegentoren ab, verdienten Kickers-Sieg, die Kickers damit aktuell auf Platz drei , so kann es weitergehen.

Eins noch für nach dem Abpfiff: auf Grund des unglaublich hohen Krawallpotenziales, das wohl schon während des Spiel offensichtlich war, sah sich die Polizei genötigt, auf dem Martin-Luther-King-Weg Richtung Haupttribüne Präsenz zu zeigen. Sinnhaftigkeit hin oder her, ganz toll war, dass in der Mitte zwischen den Fahrspuren ein Wagen parkte und auf jeder Spur drei Bereitschaftspolizisten standen – der Verkehr auf der Straße war aber an sich nicht gesperrt, was dann also kaum zu Behinderungen führte. Die Kickers-Fans durften den Block zumindest trotzdem unbehelligt verlassen, so unbehelligt dass trotz anwesender Polizei mir zwei Fans fast vors Auto gelaufen wären, das sollte man das Polizeikonzept vielleicht nochmal überdenken.

Bilder

Ordentlich Polizeipräsenz

Ordentlich Polizeipräsenz

Nordtribüne

Nordtribüne

Haupttribüne

Haupttribüne

Südtribüne

Südtribüne

Gespentisch

Gespentisch

Haupttribüne mit Sichtbehinderung

Haupttribüne mit Sichtbehinderung

Südtribüne überschaubar besucht

Südtribüne überschaubar besucht

Mannschaften

Mannschaften

Kickers-Fahnen

Kickers-Fahnen

Kickers

Kickers

Mainz

Mainz

Schiedsrichter

Schiedsrichter

Mainzer Huddle

Mainzer Huddle

Sicht naja

Sicht naja

Was ein Acker

Was ein Acker

Torschütze Leutenecker

Torschütze Leutenecker

Siegessichere Fans

Siegessichere Fans

Kickers feiern nach dem Abpfiff

Kickers feiern nach dem Abpfiff

Projekt 52.2015.03: Ivo Andric – Die Brücke über die Drina

Ich brauche es ja eigentlich nicht erwähnen, weil es sowieso klar ist, aber natürlich war, SZ-Bibliotheks-typisch, Die Brücke über die Drina ein First, wobei ich mir einbilde, den Namen Ivo Andrics zumindest vor der Lektüre bereits gehört zu haben. Andric, Literaturnobelpreisträger, war ein jugoslawischer Schriftsteller mit sehr umfangreichem Werk, der vor allem durch die sogenannte “Bosnische Trilogie”, deren erster Teil Die Brücke über die Drina ist, welteberühmt wurde; die beiden weiteren Bücher der Trilogie sind Das Fräulein und Wesire und Konsuln.

Denn die meisten Stadtereignisse befand der Muderis nicht für wichtig oder würdig genug, in seine Chronik einzugehen. Daher war sie so unfruchtbar, trocken und steif wie eine hochmütige alte Jungfer.

Die Brücke über die Drina setzt der, ja, Brücke über die Drina in Wischegrad, einer Kleinstadt im heutigen östlichen Bosnien und Herzegowina, ein literarisches Denkmal. Andric beschreibt nicht nur die Geschichte der von 1571 bis 1578 vom damaligen Janitscharen-Großwesir Sokollu Mehmed Pascha erbauten Brücke sondern auch die damit verknüpfte Geschichte der Stadt an der Grenze von Okzident und Orient. Das Buch erzählt ungefähr 350 Jahre Geschichte, beginnend von der Zeit, bevor die Brücke existierte, bis zu ihrer erstmaligen teilweisen Zerstörung im Jahr 1914, als die abziehende österreich-ungarische Armee mehrere bereits Jahre zuvor minierte Pfeiler der Brücke sprengte. Bis dahin hatte die Brücke vieles erlebt, was aber alles mehr oder weniger spurlos an ihr vorbei gegangen war. Andric schildert als auktorialer Erzähler distanziert, wie sich das Leben um die Brücke herum über die Zeiten verändert, wobei er in den jeweiligen Epochen verschiedenen Charaktere darstellt, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Recht brutal ist der Beginn des Buches, als der monumentale Brückenbau Arbeitskräfte aus der ganzen Gegend vereinnahmt und einige Einheimische den Bau sabotieren wollen, was in der sehr grafisch geschilderten Pfählung des Hauptschuldigen endet.

Die richtige Hetze gegen die Serben und alle, die mit ihnen in Verbindung standen, begann erst jetzt. Die Menschen zerfielen in Verfolgte und Verfolger. Jenes hungrige Tier, das im Menschen lebt und sich nicht zeigen darf, solange nicht die Dämme der guten Sitten und der Gesetze entfernt werden, war jetzt befreit. Nun war das Zeichen gegeben, die Dämme weggeräumt. Wie oft in der menschlichen Geschichte waren Gewalt und Raub, ja auch der Mord, stillschweigend zugelassen, unter der Bedingung, daß sie im Namen höherer Interessen, unter festgesetzten Losungen und gegen eine begrenzte Zahl von Menschen eines bestimmten Namens und einer bestimmten Überzeugung verübt wurden.

Andrics nüchterner Erzählstil hat mir sehr gut gefallen, das Buch ist ein Meisterwerk, bei dem man sich wünscht, dass es nicht endet, von mir aus hätte es gerne doppelt so lange und länger sein können. Die einheimischen Bezeichnungen der Landschaft ohne weitere Erklärungen machen einem teils das Verständnis etwas schwer, insgesamt ist das Buch aber sowohl geografisch als auch historisch äußerst interessant. Wischegrad ist leider nicht gerade um die Ecke, das Buch macht aber jedenfalls Lust darauf, die Stadt und die Brücke persönlich zu erleben.